Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384171
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eine solche Färbung hätten geben kännen, ergiebt sich (las- 
selbe aus den "zahlreichen Briefen, die wir mittheilen, viel- 
mehr als durc-hiveg gemüthlich, wohlwollend, von einer mil- 
den und gütigen Humanität getragen. Schon ans den Poe- 
siecn Michel Angelffs hattc man eine solche Richtxmg seines 
Gemüthes erkannt und dieselbe mit einem richtigen Gefühl 
als das Weibliche in seinem Charakter bezeiclmet. Dic Briefe 
Werden dasselbe zeigen. Zu dem Eindruck der Grässe, den 
man, wenn von Michel Angelo die Rede ist, als den vorwie- 
genden betrachten kann, wird sich überall der der Liebens- 
würdigkeit gesellen. 
Nur kurz mag hier bemerkt werden, dass es bei der 
eigexithümlichen isolirten Stellung Michel Angelds nicht an 
mannigfachen Missverständnissen und falsehen Auffassungen 
seines Charakters fehlen konnte, so hat man denn in der 
That ans der Festigkeit und Abgeschlossenheit seines We- 
sens auf eine rauhe und unverträglichaNatur geschlossen und 
manches bestimmte und derbe Wort über Zeit- und Kunstge- 
nossen mochte einer solcheim Auffassung eine schcinbare Be- 
stätigung gewähreif). Wer aber die Natur der Künstler 
kennt und mit der freieren Art ihres Verkehrcs vertraut ist, 
wird auf derlei Dinge nicht allzugrosses Gewicht legen. Da 
fällt auch Wohl noch heut' zu Tage ans dem mildesten und 
humansten Munde über die Werke von Kunstgenossen z. B. 
mancher kräftige Kernspruch, der von der freieren Laune 
des Augenblicks eingegeben ist und aus dieser beurtheilt Wer- 
den muss. So ist es heute und so ist cs gewiss von jeher 
im Künstlerleben gewesen. Wenn irgend wo, so muss man 
sich hier vor Pedanterie hüten und dem, wenn auch schein- 
bar etwas beissenden Witz und. dem frischen Humor volle 
Rechnung tragen. Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, 
werden auch derartige Aeusserungen Michel Angelds, der 
überdies heftig ,und leidenschaftlich war, keinen so grämlichen 
Schluss auf dessen Charakter rechtfertigen künnen. 
Und um auf den oben angedeuteten Gegensatz in dicsem 
letzteren zurückzukommen, se hat Michel Angelo in der That 
eine Doppelnatur, in der sich eine herbe und strenge Grässe 
l) lilehrere solcher vermeintlichen Belege von ,,Michel Angelds 
Unverträglichkeit" giebt Passavant Bafael S. 181 if. Sie sind meisten- 
theils harmloser Natur; über die Aeusserung in Bezug auf Rafael und 
Bramante vergl. die Erläuterungen zu dem Brief 56a.
        

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