Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383805
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der Einfluss des feingebildeten und in Sachen des Ge- 
schmackes, wie des äffentlichen Lebens gleich gepriesenen 
Mannes auf die Ausbildung des jungen Künstlers nicht hoch 
genug angeschlagen werden. Lag doch genug Verwandtes 
in der Natur Rafaels selbst, der den mannigfaltigen und oft 
sieh widerspreehenden Grehalt des damaligen Welt- und Geistes- 
lebens zu der einen gemeinsamen Verklärung der vollende- 
ten Schänheit zu erheben wusste. 
Die äussere Veranlassung zu dem Briefe scheinen einige 
Entwürfe gegeberl zu haben, die Rafael dem Grafen nach 
dessen eigener" Angabe gezeiclarnet batte, um danach aine 
Medaille fertigexl zu lassen, wie sie nach der Sitte der da- 
maligen Zeit an Hüten oder Baretten getragen zu werden 
pHegten (Passavant I. 233). Der Brief ist ohne Datum, lässt 
sieh aber wohl mit ziemlicher Gewissheit in die oben ange- 
gebene Zeit setzen. Die Galatea, des berühmte Freskobild 
Rafaefs in der Farnesina, ist 1514 vollendet. Auf diese 
nämlich bezieht sieh die schäne Aeusserung RafaeYs über die 
Idee oder des Ideal der Schänheit, die ihm den Mangel ganz 
vollendeter wirklieher Schünheit ersetzen müsste. 
Ebenso datirt aus diesem Jahre die fdrmliche Ernennung 
RafaePs zum Leiter des BaLIes von S. Peter. Aus der Art, wie 
dieser Ernennung in dem Brief Erwähnung gethan wird, glaube 
ich schliessen zu dürfen, dass derselbe später, als der an Simone 
Ciarla geschrieben ist. Damals (1. Juli) meldet Rafael aller- 
dings, dass er sich schon in jenem Amte befände; wie denn 
auch aus den von Fea bekannt gemaehten Aktenstüeken 
hervorgeht, dass er seit dem 1. April sein Gehalt bezogen 
Irat (Pass. 238). Die officielle Bestätigung fand aber erst 
durch das von Pietro Bembo in lateinischer Sprache ver- 
fasste Breve vom" 1. August statt, dessen Uebersetzung wir 
hier nach dem Text bei Bottari VI. 23 folgen lassen: 
LEo X. an RAFAEL. L August 1515. 
Indem 11m, ausser der Kunst der Malerei, in welcher die 
ganze Welt Eure Verdienste kennt, auch in BetreE der Baukunst 
als ein solcher von dem Arch. Bramante erachtet worden 
seid, dass er bei seinem Tode mit Recht mainte, es känne 
Euch der von ihm hier in Rom begonnene Bau des Tempels 
des Apostels S. Peter fürrler aufgetragen werclen, und da 
Ihr dies auch in so gelehrter Weise durch den Grundriss
        

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