Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383728
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Nur noch eine Silbe über die beiden Arlfträge. Dome- 
nico soll ihm Liebeslieder schicken, Cesarino eine Predigt. 
Die verlangten Lieder (strambotoli) waren solche, die der Gelieb- 
ten vorgesungen wurden. Es ist also nicht schwer Rafaefs Ab- 
nieht zu erkennen.  Ebenso wenig in Betreif der Predigt. Der 
Brief ist kurz vor der Abreise naeh Rom geschrieben. Rafael 
musste im Allgemeinen schon die Natur der Aufträge, die 
seiner harrten, kennen. In dem ersten Bilde, der 'I'heologie, 
oder der sog. Disputa, galt es eines der heiligsten Mysterien 
des christliehen Glaubens darzustellen, und mit Eifer wirft 
sich nun Rafael auf die Theologie. 
Aber wie bezeichnend ist die naive Zusammenstellung 
zwei an sich so verschiedener Verlangen! S0 einfach und 
so leicht hingeworfkan dieselben auch erscheinen, so üffnen sie 
doch einen tiefen Blick in das Herz des Künstlers. Es ist 
ein Stück Menschen- und Kunstgeschichte darin enthalten. 
RAFAEL 
an 
FRANCESCO 
FRANCIA. 
B0m1 
September 
1508. 
Mein 
lieber Messer Francesco! 
S0 eben erhalte 
ich Euer 
Bildniss, das mir von Bazzotto wohl erhalten uncl ohne irgend 
eine Beschädigung überbracht Worden ist, und für Welches 
ich Euch meinen besten Dank sage. Es ist ausnehmend 
schün und so lebexldig, dass ich mitunter Wirklich irre ge- 
fiihrt werde, indem ich mich Euch selbst gegenüber zu beün- 
den und Eure Worte zu hären glaube. Ich bitte Euch Nach- 
sicht mit mir zu haben 11m1 mir den Aufschub und die Ver- 
zügerung des meinigen zu verzeihen, welches ich Wegen mei- 
ner wichtigen und ununterbrochenen Beschäftigungen bis jetzt 
noch nicht eigenhändig habe machen künnen, Wie unsere Ver- 
abredung lautete. WVohl hätte ich es Euc-h von einem meiner 
Zijglinge gemacht und von mir übergangen sehicken künnen,
        

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