Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383650
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mm, als Vasari äies namentlich im AnfangJ) and am Schlussa) 
von Rafaefs Lebensbeschreibung gethan hat; Aeusserungen, 
die nicht minder demjenigen, dam sie gelten zur Ehre, als 
demjenigen, der sie that, zum Ruhme gereichen. Inwiefern 
aber dergleichen Aeusserungen als Beläge des Verhältnisses 
vun Michel Angelo und Rafael untereinander gelten künnen, 
geht zur Genüge daraus hervor, dass Vasari in seiner schrift- 
stellerischen, wie in der künstlerischen Thätigkeit, sich mit 
dem hochverehrten Meister in steteln Einklange und Einver- 
nehmen befand, so dass uns Aeusserungen Vasarfs, nament- 
lich in Bezug auf solche Verhältnisse gethan, (lie Michel An- 
gelo persänlich berührten, uns, wenn nicht andere Gründe 
dagegen sprechen, fast immer als Aeusserungen Michel An- 
gelds selbst gelten dürfen. 
1) lhm (Bafael) war von der Natur jene Güte und Bescheiden- 
huit verliehen, welche bisweilen solche schmückt, die vorzugsweise 
vor Andern mit anmuthigem Wesen eine liebenswürdige Freundlich- 
keit verbinden, wodurch sic den verschiedensten Personen gegen- 
üher, wie in allen Dingen stets lieblich erscheinen und Wohlgefallen 
erwecken. Die Natur war durch die I-Iand Michel Angelds von der 
Kunst besiegt, und schenkte Rafael der Welt, um nicht nur von ihr, 
sondern anch durch die Sitte übertroüen zu werden. Vasari III. 1. 
S. 180. 
2) Auch halte ich unlzer seinen seltenen Gaben eine so wunder- 
bar, dass sie mich in Staunen versetzt, die nämlich, dass der Himmel 
ihm Kraft verlieh, in unscrm Kreise zu erwecken, was wider die Na- 
tur der Maler streitet; denn alle, nicht nur die geringen, sondern auch 
die, welche den Anspruch machen grnss zu sein (wie die Kunst deren 
unzählige hervorbringt), waren einig, sobald sic in Gesellschaft Ra- 
faeVs arbeiteten; jede üble Laune schwand, wenn sie ihn sahen, jeder 
niedrige, gemeine Gedanke War aus ihrcr Seele verschcucht. Eine 
solche Uebereinstimmnng herrschte zu keiner Zeit als in der seinigen. 
Dies kam daher, dass sie durch seine Freundlichkeit, durch seine Kunst 
und mehr noch durch die Macht seiner schünen Natur sich 
überwunden fühlten. A. a. O. S. 250.
        

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