Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383631
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eineLebensbedingung von solcher Wiclmtigkeit, wie sie ihm durch 
niehts Anderes ersetzt zu werden vermag. Und so wurde denn 
durch diese Aufgaben und deren tief innerlichen und cyklischen 
Zusammenhang Rafael in sicherer und konsequenter Ent- 
wickelung zu der (ilanzeshijhe saines Lebens und Streberxs 
emporgeführt, auf welcher ihn uns die folgenden Briefe zei- 
gen. In don Beginn dieser Entwickehmg fällt noch der Brief 
an Francesco Ifraucia, sowie das Sonett (Nr. 49), in deren 
Mitte die Briefe an den Oheim Ciarla und den (irafen Casti- 
glione, in die Periode des "nur zu rasch durch den auf stets 
neue Gebiete sich erstreckenden Eifer Rafaels llerbeigeführten 
Schlusses derselben dessen Bericht an Papst Leo X. über 
die rämischen Alterthümer. Und während uns so die Briefe in 
bestimmter Stufenfolge die verschiedensten Momente des ra- 
faelischen Lebens vorführen, ist es doch immer derselbe Geist 
kindlicher Liebe und reinster vollendetster Humanität, der 
ans diesen, meist zufälligen und äusserlich unwichtigen Mit- 
theilungen Rafaels hervorleuchtet und der auf der andern Seite 
auch den Grundgedanken und den eigentlichen Inhalt seiner 
so mannigfachen und umfassenden künstlerischen Thä-tigkeit 
ausmacht. 
Denn das Vermügen, alle Gebiete der Kunst und der 
geistigen Entwickelung seiner Zeit aus diesem einen Stand- 
punkte zu Llmfassen und sowohl in seinen Werken, als an 
seiner eigenen Person selbst zur Erscheinung zu bringen, ist 
es vorzüglich, das, wie den Reiz, so auch die gesclüchtliche 
Bedeutung seiner Werke ausmacht, so wie es ihn andrerseits 
zu einem Wahren Ideale reinster Humanität für alle Zeiten 
erhebt. Und zwar kommt dazu, um Rafaefs Bedeutung von 
der der gleichzeitigen Kunstgenossen zu unterscheiden, 
noch der Umstand, dass ihm diese hohe Stellung mehr durch 
die angeborene Liebenswürdigkeit saines Wesens, die wie 
die kürperliche Schänheit ein freies Geschenk des Himmels 
an seine Lieblinge ist, als in Folgc angestrengten Bemühens 
zu erreichen vergännt war. 
Dies ist nicht etwa so zu verstehen, als ob er ohne 
eigenes Thun und gleichsam zufällig zu seiner künstlerischen 
Vollendung gelarlgt sei  keine künstlerische Vollendung wird 
so leichten Kaufes erworben und bei Rafael ist in viel 
hüherem Grade, als man dies gewühnlich zu thun pHegt, Gin 
langer und angestrengtel- Entwickelungsprocess anzunehmem 
Künstlcr-Briufe. l. 8
        

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