Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383526
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Sodann ist es ein grosser Fehler, dass wir den Wein 
heut zu Tage in oifenen Gefässen machen, denn so verfliegt 
bei der Gährung die eigentliche Essenz in die Luft und es 
bleibt nichts als eine von den Schaalen und Kernen gefärbte 
geschmacklose Flüssigkeit übrig; fermer bringt man auch clen 
Wein nicht, wie man sdllte, von einem Gefäss auf das an- 
dere, woher denn derselbe trübe wird und einem schwer im 
Magen liegt. 
Wenn Illr und die andern Euch also nach diesen Be- 
merk ungen 
netcn Wein 
richtcn Wolltet, 
trinken künnen. 
so würden wir einen ausgezeich- 
Gott erhalte Euch! 
Der obige Brief, über desson Original J. W. Brown 
the life of Leonardo da Vinci nähere Ausknnft gicbt und 
dessen Abdruck sich in denlselben Werke App. p. 241 be- 
findet, zeigt uns Leonardo in der Eigenschaft eines sorgsalnen 
Hausherrn 11m1 Landbesitzers, der um die Verbesserung sei- 
nes Grundstückes bemüht ist. 
Was dieses Grundstück anbelangt, so ist es wahrschein- 
lich dasselbe, Welches ihm schon im Jahre 1499 sein frühe- 
rer Günner Lodovico Sforza geschenkt batte, wie aus einem 
Bemerk in dem üfentlichen Register von Mailand hervorgeht, 
welches von Brown a. a. O. p. 98 abgedruckt ist. Dasselbe 
lautet: 1499, 26. April. ,,Lodovico Maria Sfortia, Herzug von 
Mailand, gab dam Herrn Leonardo Vintio, dem sehr berühm- 
ten Maler von Florenz, zum Geschenl: 16 Ruthen von dem 
Boden oder Grundstück seines Weinberges, welchen er 
von dem Abte oder dem Kloster des heil. Victor vor der 
Stadt nahe beim Vercellischen Thore erworben hat, auf dass 
er au? jenem Raume nach seinem Grutdünken bauen, Gärten 
anlegen oder was sonst ihm und seinen Nachkommen, oder 
wem er dasselbe schenken sollte, beliebt, thun und anordnen 
känne." 
Da war es denn sehr natürlich, dass er von dem Berge 
auch gute Weine ziehen wollte, wie er sie in der Heimath 
zu trinken gewohnt war und wie sie dort dem Herrn Otta- 
viano de" Medici zuwxlchsen, auf welchen sich die Worte im 
Anfang des Briefes beziehen. Ottaviano ist der Enkel Ber-
        

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