Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1383175
reich gesehenkt Worden, der ihn dem Papste nach Ronfsem 
dete. Obgleich ein Gefangener, vmrde der Türke, dessen 
Person eine gewisse politische Bedeuttlng hatte, mit grosser 
Auszeichnung behandelt. Er hielt am 13. März des Jahres 
1489 seinen feierlichen Einzug in Rom, bei dem ihm segm- 
der Solm des Papstes (Innocenz VIII.), Francesco Cibb ent- 
gegenritt. Am Tage darauf wurde er bei dem feierlichen 
(Ionsistorium dem Papste vorgestellt, bei welcher Gelegerlheit 
er sich in hochfahrender und stolzer Weise dem üblichen 0ere 
moniel hartnäckig entzog nnd dem Papste einfach die rechtc 
Schulter küsste. Es wurde ihm, wie dies auch aus dem Briefe 
hervorgeht, eine "Wohnung im neuen vatikanischerl Pallast ein- 
geräumt, WO er ganz nach seiner Neigung lebtefder Papst 
batte ihm gleich naeh dem Einzuge 700 Dukaten, kostbare 
Kleider, die er indess gerizlg schätzte, und ein Pferd ge- 
schenkt, auf dem er in Begleitung von päpstlichen Hofbedien- 
ten äfter ausritt. Die politische Bedeutung des Mannes lag 
darin begründet, dass er bei den Türken mehr als der re- 
gierende Brudcr beliebt War, weshalb diesem sehr daran ge- 
legexx war, ihn dort in festeln Grewahrsanx zu wisserl; und in 
der That zahlte er, unter der Bedingung, dass der Bruder 
nicht freigelassen werde, dem Papste jährlich eine Summe 
von 40,000 Dukaten, und Stellte Frieden mit den Christen in 
Aussicht. Noch häher Waren die Vortheile, die der Sultan 
von Aegypten, der mit Bajazet im Kriege lag, dem Papste 
für die Freilassung Zizims in Aussicht stellte, um sich des- 
selben als Heerfiihrer gegen den Bruder zu bedienen. Es 
wurden, nach der Aussage eines Zeitgenossexx, dem Papste 
400,000 Dukaten, die Stadt Jerusalem, und alle dem Ba- 
jazet im Kriege abzugewinnenden Länder in Europa. gebo- 
ten. Indess war der Gefangene gewissermaassen ein Unter- 
pfand gegen die Türken, dieunaehdem sie erst_ vor weni- 
gen Jahrzehnten ihre Macht m Europe. begründet hatten, 
sehr gefalhrliche Feinde der europäischen Christenheit waren, 
11m1 deren Grossherr durch die stete Bereithaltung seines ge- 
fährlichsten Feindes, fortwährend im Schach gehalten wurde. 
Interessante Einzelheiten, die zum grossen Theil mit dem 
Bericht Mantegnaüs übereinstimmen, iinden sich in zwei gleich- 
zeitigen rämischen Chroniken bei Muratori Script. Rer. Ital. 
(Diarium Roman. Anon IIL, II. p. 1106 ff. und Infessura- 
Diar. Rom. ib. p. 1224 HI  Die auf den Türken bezüg- 

        

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