Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381815
CAPRI. 
{EWALTIG brausten die empörten Meereswogen des un- 
i: i endlichen Oceans, gepeitscht vom entfesselten Ele- 
  mente, ersterbend blickte der scheidende Phöbus Apollo 
noch einmal wehniütig' auf die starren meerumbrandeten Felsen- 
riffe, als wir auf zerbrechlichem Nachen in die Grotte einfuhren. 
Noch war alles in dichtes azurnes Blau gehüllt, wohin auch das 
spähende Auge zu dringen vermochte. Die Unendlichkeit, die 
Ewigkeit in irdischer Verkörperung! Die Grossartigkeit des 
wunderbaren Naturschauspiels, die unvergleichliche malerische 
Farbensymphonie, dazu aber das ununterdrfickbare Gefühl der 
Ohnmächtigkeit, mit sterblichen Händen je mit den Schönheiten 
der Natur wetteifern zu können, konnten die Verzweifiung meiner 
Gemütsstimmung nicht lindern. Alle meine Versuche, dem 
Marmor XVärme einzuhauchen, waren ja vergeblich gewesen! 
Die Nacht trat allmählich ein. Das blaue Gewölbe ver- 
düsterte sich mit Macht. Bald war nichts mehr zu erkennen als 
schwarze dunkle Gebirgsmassen. je mehr aber das unedle 
Gestein an Farbe verlor, desto wärmer, rosiger erschien Galathee, 
desto glänzender leuchtete sie in ihrer göttlichen Schönheit. 
Tiefer senkten sich die Schatten 
Auf das felsige Gestein 
Und des helfren Domeskuppel 
Hüllte sich in Dunkel ein. 
Desto heller strahlt die Stätte, 
Wo die Göttergleiche stand. 
Von verklärtem Licht umflossen 
Legte segnend sie die Hand 
Mir, dem Knieenden, auf's Haupt. 
Kalte spröde Marmorschöne 
Hoffnung, Ruhe, Seelenfrieden, 
Alles hast Du mir geraubt! 
EngelsgleicheswHerzensliebchen 
A1l' mein Schaffen, Denken, Leben, 
Meines Meisels Ideal, 
Alles hast Du mir gegeben! 
Manche beten zu Madonnen 
Mit dem gold'nen HeiPgenschein. 
Schönste Göttin unter der Sonnen 
Ich verehre Dich allein.
        

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