Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381711
DIE 
VERDIENSFE 
DER 
VANDALEN 
UM 
DIE 
KUNST. 
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Sten Naturlauten an bis zu der vollkommensten sprachlichen 
Schöpfung wo man hat, dem Volapük. Die menschliche Sprache 
ist ein Wunderwerk, aber vom Menschen auf Grund der Natur- 
gesetze im Kampf ums Dasein durch Anpassung, Vererbung und 
Auslese im Laufe der Jahrtausende mühselig selbst geschaffen. 
Und ähnlich verhält es sich auch mit der Kunst. Auch diese 
ist kein Geschenk, welches eines Tages fix und fertig die olym- 
pischen Götter ihren geliebten Kindern als Spielpuppe oder zur 
Erholung nach schweren Stunden überreicht hätten. Mühsam 
hat sie sich der Mensch selbst in Jahrtausend langem Ringen ge- 
bildet und fortgestaltet. Eine Tochter der Nachahmungssucht, 
wenn ich mich so trivial ausdrücken darf, die der Mensch in 
stärkerem und edlerem Grade von seinem angeblichen Urahnen 
ererbt, war sie anfänglich blos rohe Nachbildung der Natur. Aus 
dem Leben direkt hervorgegangen, steht sie naturgemäss auch 
unter dem Einfluss aller das Leben beherrschenden und regie- 
renden Faktoren. Der Selbsterhaltungstrieb und dessen Tochter 
die Furcht vor dem Tode, und deren Tochter wieder die Religion 
übten den meisten ilachhaltigsteim Einfluss auf die Entwicklung 
der Kunst. Geringer wirkten auf sie ein das Wohnungsbedürfnis, 
das nach Stillung der dringendsten Bedürfnisse beim Menschen 
sofort auftretende Verlangen nach Luxus, der Wunsch sich an- 
genehme sinnliche und geistige Eindrücke und Erholungen zu 
verschaffen und schliesslich auch der Ehrgeiz und die Ruhmsucht. 
Das Prinzip der natürlichen Auslese oder um es laoätischer 
auszudrücken, die Liebe, der wir freilich im Grunde genommen 
die ganze weibliche Putzsucht und die Modenarrheiten ver- 
danken, war auch ein mächtiger Faktor in der Weiterentwicklung 
der Kunst. Doch würde es zu weit führen, die Einwirkung jedes 
einzelnen Motivs auf die Entstehung und Fortbildung der ver- 
schiedenen Kunstformen nachzuweisen. Es genügt den einen 
Satz festzuhalten: Die Kunst ist, trotzdem sie eine Himmels-
        

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