Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381689
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DIE 
VERDIENSTE 
'DER 
VAN DALEN 
UM 
DIE 
KUNST. 
massen wieder mit abgebrauchten, alten Banden schnüren wollen. 
Die Renaissancekünstler passten die antiken Formen den Sitten 
und Ansprüchen ihrer Zeit an und wurden dadurch zu schöpfe- 
rischen Neuerern, zu Gründern einer neuen Kunstrichtung. 
Allein dass sie ihre Aufgabe in der genialen Originalität, wie 
geschehen. lösen konnten, dass sie nicht zu nachäffenden Sklaven 
herabsanken, dass sie sich eine eigene Produktivität, eine selb- 
ständige Individualität ungeschmälert bewahren konnten, das 
Verdienst können sich doch zum grössten Teil die Vandalen 
zuschreiben. 
Es ist ein nicht zu unterschätzendes Glück, dass beim Beginne 
der Renaissancebewegung das frische drangvolle nach Ent- 
wicklung und neuer Gestaltung ringende Leben der italienischen 
Kunst nicht einer mächtigen Antike sondern nurderen verhält- 
nismässig spärlichen Resten gegenüberstand. Ja selbst wenn nur 
eine archäologisch-wissenschaftliche tiefere Kenntnis der alten 
Kunst damals vorhanden gewesen wäre, würde sie dem jungen 
Leben, naturgemäss ihm imponierend, Fesseln angelegt und das- 
selbe zur blosen Wiederholung des schon Dagewesenen ge- 
zwungen haben. Die Kenntnis der alten Kunst war äusserst 
fragmentarisch. Zertrümmertl, mit Schutt bedeckt, von Moos 
überwachsen ruhten die Bruchstücke der alten Architektur und 
Skulptur Wie eine in den Schoss der Erde gesenkte Saat, um 
nun zu neuem Leben, zu fruchtbringendem Wachstum aufzu- 
stehen. Was sich so fragmentarisch darbot, das wurde von den 
Italienischen Künstlern einzig um der Schönheit willen mit der 
höchsten  durch die unzulänglichen archäologischen Kennt- 
nisse bedingten  Naivität aufgenommen und mit dem zartesten 
Schönheitssinn frei und unabhängig verwendet und gestaltet. 
Hierzu gesellte sich das feinste Gefühl für die Natur. Wie alle 
Werke jener Zeit, die wir mit dem Namen [Trührenaissance be- 
zeichnen, 
ferner eine warme Liebe zur 
erkennen lassen, herrschte
        

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