Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381648
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DIE 
VERDIENSTE 
DER 
VANDALEN 
UM 
DIE 
KUNST. 
die Franzosen bei Rossbach aufs Haupt geschlagen hatte. Als 
aber der grosse Korse halb Europa mit Waffengewalt unterjocht 
hatte, als neugebackene Herzöge und Fürsten mit ihren Horden 
in unserm Vaterland hausten, vollzog sich die Schwenkung und 
der Aufmarsch unserer Kunst gegen die französische. Freilich 
war diese Selbständigkeitsmachung vom sogen. lmperialstil nicht 
mit den gehofften Früchten begleitet. Die vom Krieg geschla- 
genen Wunden waren eben zu tief um rasch vernarben zu können. 
Überdies sass der unglückselige Irrtum  der besonders die 
Rokokozeit beherrscht hatte  dass die Antike bei ihrer Plastik 
die Farbe absolut nicht gekannt hätte, so sehr fest im Volke, dass 
ein wirklicher Farbensinn nicht mehr vorhanden, gänzlich er- 
storben war. Die farbenprächtige, zu Herz und Gemüt sprechende 
mittelalterliche Polychromie war unserm Volk wenigstens zu- 
wider, sie war ihm völlig ungewohnt und fremd geworden, und 
es bedurfte und bedarf noch mächtiger Anstrengungen um eine 
Wendung zum Bessern herbeizuführen.  
Der Rokoko und seine Nachfolger erkannten leider nur die 
Alleinberechtigung des mit dem Golde verbundenen Weiss an 
und liessen deshalb alle ihre Skulpturen in ihrer Naturfarbe, d. h. 
des Marmors oder des Gipses. Dass bei so verschiedenem Ge- 
schmack der Farbensinn im Volke völlig bis auf die Wurzel er- 
sterben musste, war klar um so mehr als auch die Kirche ihr altes 
Banner der Polychromie, dem sie über tausendjahr treu geblieben 
war, verliess. Zu all dem Unglück kam noch der ostensive Bruch 
des Protestantismus mit der kirchlichen Kunst, der in der Bilder- 
stürmerei am prägnantesten zum Ausdruck kam. Erst die Neuzeit 
hat ihn als einen schwer wiegenden, nur das Petroleum be- 
günstigenden diplomatischen Fehler erkannt und wieder gut zu 
machen versucht. 
Ist aber eine gedeihliche höhere Entwicklung de4 Kunst ohne 
die Bundesgenossenschaft und Hilfe der Kirche ausgeschlossen,
        

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