Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381638
DIE 
VERDIENSTE 
DER 
VANDALEN 
UM 
DIE 
KUNST. 
Gebildetsten entnationalisierten gänzlich und wurden Pariser 
Pllastertreter. Die Verheerungen in kultureller und sozialer Be- 
ziehung dieser wohlgemeinten Massregel sind entsprechend 
gross. Eine spezifisch russische Kunst giebt es heutzutage 
nicht mehr. Die entzückenden sozialen Verhältnisse Russlands 
sind bekannt. Fremde Stoffe müssen aus einem pulsierenden 
Körper entfernt oder in Fleisch und Blut verwandelt werden, 
WCHII 
zerfressen und zerstören sollen. 
nicht 
ihn 
sie 
Dieses Natur- 
schon 
UDS 
lehrt 
gesetz 
Medizin. 
die 
Dass 
XVIII. Jahrhunderts 
des 
zu Anfang 
als Deutschland 
folge entsetzlicher Kriege auf politischem wie künstlerischem 
Gebiet fast leblos darnieder lag, ausländische Mode tonangebend 
war, war natürlich. Trotz einer Reihe von Sittenpredigern, 
welche dem Volke das Entnervende der Anbetung ausländischer 
Götzen 
zu 
zorneifrig 
Gemüte 
führten, 
kohnten 
sie 
doch 
eben 
GS 
nicht 
hindern, 
dass 
fremde 
Baumeister 
unsere Kirchen 
und Pa- 
läste bauten, ja dass fremde Tanzmeister unserer Jugend Chic 
und Schliff beibrachten. Das waren die naturgemässen Einflüsse 
einer überlegenen benachbarten Kultur. Schon früher liebäu- 
gelten die Gelehrten mit Paris, dann gehörte es zum guten Ton 
eines Kavaliers dort seine Bildung zu erhalten und Anstand und 
feines 
Benehmen 
ZLl 
lernen. 
Ihnen 
folgten 
die 
Künstler 
und 
zuletzt 
machten 
sich 
auch 
die 
Barbiere 
und 
Haarschneider 
auf 
den Weg. 
Unter dem ersten Napoleon dagegen, als die nationale 
Energie, das politische Übergewicht Frankreichs seinen denkbar 
höchsten Punkt erreicht hatte, sank seine Bedeutung für das 
Kunstleben fast auf Null herab. Obgleich ganze Kolonnen von 
Künstlern zur Verherrlichung des französischen Waffenruhms 
kommandiert wurden, verloren die damaligen Kunstschulen doch 
mehr und mehr das Gepräge, welches die Stadt Paris ganz Eu- 
ropa aufgedrückt hatte auch zu Zeiten, als Friedrich der Grosse
        

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