Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381621
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DIE 
VERDIENSTE 
DER 
VANDALEN 
UM 
DIE 
KUNST. 
nicht gotisch d. h. katholisierend gebaut wurde. An sich ist wohl 
jeder Kunststil über kleinliche Religionszänkereien erhaben, allein 
wenn wir einmal einer Konfession einen besondern Baustil vin- 
di-zieren sollen, so können wir wahrheitsgemäss nicht die Gotik 
sondern nur die Verfallzeit der Renaissance also den Barock- 
oder jesuitenstil dem Katholizismus zurechnen. 
Das also lehrt die Geschichte, dass ein Volk nur dann seine 
Selbständigkeit bewahren kann, wenn es eine eigne und eigen- 
artige Kultur behauptet und dass die politische Unabhängigkeit 
mit der geistigen Überlegenheit entsteht und fällt. Die Juden 
verloren Land und Staat und retteten dennoch ihren Volkscha- 
rakter, weil ihr Glaube und ihre Kultur original blieben. Sowie 
sie aber diese fahren lassen, werden sie vom Kosmopolitismus 
aufgesogen und schliesslich als Gründer in den wohlverdienten 
Adelstand erhoben. 
Die überlegene Kultur aber, die ein Volk vor einem andern 
voraus hat, lässt sich auf dieses nicht so schnell übertragen; ge- 
waltsam einimpfen nun schon garnicht. Der Prozess muss sich 
von selbst und von unten nach oben vollziehen. Mit Machtworten 
kann nie etwas erreicht werden. 
Vor anderthalbhundert Jahren als Russland in den Kreis der 
Europäischen Kulturmächte einzutreten begann, zog Peter der 
Grosse Gewerbe, Handel und Geistesarbeit von Aussen ins Land 
und seitdem haben es alle russischen Herrscher bis zu Alexan- 
 der II. so gehalten. Allein diese von oben her importierte Kultur 
war und blieb unnational. Sie fand im Land und Volk zu wenig 
Wurzel und störte nur die innere Harmonie des russischen Volks- 
tums. Es war eben nicht von nachhaltendem Nutzen, ja sogar 
schädlich westeuropäisches Städteleben übergangslos mitten 
in halbasiatische Bauernzustände zu stellen. Der gemeine Mann 
blieb ein ganzer Russe und was für einer, der Gebildetere ward, 
wenn es hoch kam, ein halber Russe und ganzer Nihilist, die
        

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