Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381489
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ÜBER 
MODERNE 
KUNSTKRITIK. 
sich mit Zinnober vergiftet zu haben scheint. Die riesige Röte 
seines Körpers fände dadurch die natürlichste Erklärung. Oder 
sollte er ungeimpft sein, die Blattern haben und deswegen aus- 
kratzen? Allein dann würde er unter gesundheitspolizeilicher 
Aufsicht stehen und sicher etwas anderes zu thun haben als starr 
und unverwandt auf den Mantel zu stieren, der dadurch zum 
Mittelpunkt der ganzen Handlung wird. Eine Nüance, der man 
allerdings die Originalität nicht absprechen kann. Josef ein Semit 
von krümmster Nase, gedrückter Figur, krausem Haar mit obli- 
gaten Schmachtlocken und schön gebogenen Schwefelhölzern  
die überdies noch total verzeichnet sind  hat durchaus nicht 
einen Ausdruck von Erhabenheit in seinem Gesicht, wie er nach 
einem solchen Seelenkampf zu erwarten war. Er blickt nur 
niedergeschlagen auf den zurückgelassenen Mantel. Dieser ist 
noch funkelnagelneu von tiefem satten Ultramarinblau mit echtem 
Karminlack N0. II gefüttert. Dadurch dass der Mantel eben noch 
so neu ist, ist freilich Josefs herber seelischer Schmerz um den 
plötzlichen Verlust desselben sowie Suleikas unverkennbare 
Freude reichlich motiviert. Allein man kommt dabei doch auf 
den Verdacht, dass Josef den Mantel aus andern Ursachen in 
den Händen der Suleika gelassen habe, vielleicht als Pfand für 
eine fällige Wechselforderung und dass das Bild umgetauft sei 
und früher richtiger geheissen habe: 
Abraham Schmuhl bei der Trödlerin.
        

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