Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381268
ÜBER 
MODERNE 
KUNSTKRITIK. 
Bis 
dahin 
aber bleibe 
ich 
schwarz 
wie 
Bartholomäusnacht. 
die 
Mit 
Redensarten 
hohlen 
wie 
„dem 
Reinen 
ist 
alles 
rein" 
lasse 
ich mir nicht imponieren. Mit mehr Logik lässt sich der Satz 
umdrehen: ,.Dem Unreinen ist alles rein." S0 gefasst, bedarf 
der Satz gar keines Beweises. In den rauhen Stürmen des Lebens 
einander mehr oder weniger abgehärtet, 
uns anfänglich als Unrecht, als Missbrauch 
werden wir alle mit 
auch moralisch. Was 
empört, was uns unfein und widerwärtig erscheint, es tritt uns 
so oft, so schrecklich oft entgegen, dass wir endlich daran gewöhnt 
und abgestumpft werden und unsern angebornen Widerwillen 
dagegen verlieren. Die Gesellschaft erzieht sich förmlich selbst 
das moralische Dickhäutertum, das freilich so ziemlich gewappnet 
ist gegen etwaige Herzbeklemmungen. Ein jugendliches, reines 
keusches Gemüt mit seinem herrlichen, idealen Schwunge em- 
pfindet vieles anders als die abgehärteten wetterfesten Matrosen- 
naturen auf der hohen gesellschaftlichen Flut. Ihm erscheint gar 
vieles noch abstossend und unrein, woran die Gesellschaft nicht 
mehr Anstoss zu nehmen längst übereingekommen ist. 
Von männlichen Modellen sind nur die Räuber, wachende wie 
schlafende gesucht. Doch gehören nur die grossen ins historische 
Fach, die kleineren hängt man unter die Genrebilder. 
DieDeHnition der G enr e m alere i erfordert einigen Scharfsinn. 
Auf den Universitäten ist jeder, der nicht zur medicinischen, 
theologischen und juristischen Facultät gehört, mag er nun Meta- 
physik, Astronomie, Landwirthschaft, Sprachen, Chemie, Päda- 
gogik, Sanskrit, F echt-, Reit- oder Tanzkunst studieren ein stu- 
philosophiae. 
diosus 
S0 
der Genremalerei. 
auch mit 
ist es 
Was man 
Das sieht 
nicht deänieren kann, 
man als ein Genre an 
Die Überschwemmung mit Genrebildern muss man mit Recht 
lebhaft beklagen, noch mehr aber die vorherrschende Trivialität 
des Sujets. Wie man jetzt alles Novelle nennt, auch wenn nur
        

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