Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381230
THEORIE. 
bermorgen pro Stunde reichlich 
wenn er historisch treu sein soll. 
als 
zum 
Goldregen, 
wenigstens 
Ein Bildhauer, der nach der Natur eine junge glückliche 
Mutter mit ihrem Baby ausführt, setzt sicherlich zu guterletzt dem 
jungen Flügel an und nennt schauerlicher Weise die Gruppe 
Venus und Amor. Für Tausende, die sonst ganz gute Christen sind. 
wird sie erst durch diese heidnische Taufe zum höhern Kunstwerk. 
War freilich das Modell ein schwarzbraunes Zigeunermadel, 
dann ist es mit der Antike Essig. Indes lässt sich die Studie 
doch zu einem historischen Bild umstempeln, der Nationaleitelkeit 
schmeicheln und sogar die "Goldne" damit herausdrechseln. Man 
malt noch einen Vogel, einen Adler, Star oder Elster daneben, 
stellt das Bild in Budapest aus und schreibt keck darunter: 
„Traum von Arpads Grossmutter, des Gründers des Magyari- 
sehen Reiches." 
Für 
Geldbeutel 
den 
der Künstler 
ist 
unzweifelhaft am 
CS 
krativsten nur weibliche Modelle in allen möglichen und unmög- 
lichen Stellungen und Lagen höchstens mit einer Rose im Haar 
oder einer Fussspange bekleidet zu malen, um sie dann ent- 
sprechend etikettiert sofort an den Mann zu bringen. Die Nu- 
dität und ihre Berechtigung in der bildenden Kunst will indes 
mit sehr feinen Glacehandschuhen angefasst werden. Ich kann 
davon ein Liedchen singen, denn an dieser Stelle sind mir schon 
1 1 Kindergärtnerinnen samt ihrer Direktrice auf das Stichwort 
"Nackt" meuchlings durch die Lappen gegangen. Ich glaube sie 
hatten meine ganzen Philippischen Ausführungen gar nicht 
verstanden. Sie waren darüber erbost, dass ich mir die Freiheit 
genommen, eine Modekrankheit, der ich den Kampf bis aufs 
Messer geschworen, auch mit ihrem richtigen Namen zu bezeich- 
nen. Requiescant in pace! 
Die Antike ging von der Annahme aus, die aber das Christen- 
tum durchaus nicht teilt, dass nur in einem schö nen Körper 
2-?
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.