Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381211
THEORIE. 
sitzend und stehend verweilen und die Manipulation mit der 
Guckröhre wiederholt anwenden. Zur Historienmalerei rechnen 
wir alle Darstellungen von Scenen aus der weltlichen und geist- 
lichen Historie und der Mythologie. Allein da man glaubte im 
XIX. Jahrhundert die Kirche als überwundenen Standpunkt hin- 
zustellen, da man jeden der sein Heim mit religiösen Bildern, 
den verfehmten Heiligenbildern schmückt, kohlpechrabenschwarz 
anmalt, so hat sich die Produktion von Bildern aus der heiligen 
Geschichte gegen früher unleugbar vermindert. Aber auch die 
Darstellungen aus der weltlichen Geschichte nehmen in be- 
denklicher Weise ab. Sie haben das Unangenehme, dass sie, 
stellen sie Scenen vergangner Zeiten dar, uns zu fern liegen, wenn 
das Kostüm treu gehalten ist. Es müsste denn uns vom Theater 
her bekannt, also unhistorisch sein. Stellen sie aber Erlebnisse 
der heutigen Geschichte dar, so steht jeder malerischen Wirkung 
unsere abgeschmackt hässliche Kleidung hemmend entgegen. 
Und sie ganz weglassen a la Makart will doch auch nicht einjeder. 
Eine recht ausgiebige Erfindung hat man in neuerer Zeit 
gemacht durch die Taufe von Aktstudien. Das heisst, man 
malt auf der Akademie zum Studium ein Modell in irgend einer 
hübschen Stellung manchmal mit mehr oder weniger kostbaren 
Stoffen oder mit Evas Kostüm bekleidet und schickt dann die 
Studie unter irgend einem stolzen hochtrabenden Namen auf die 
Ausstellung. Hat man ein nacktes Modell, so malt man noch 
einen Pfahl daneben und spickt den Körper munter mit Pfeilen. 
Na das ist der heilige Sebastian. Ist das Modell aber ein weib- 
liches und hat man noch so an 11000 jungfräulein gerade bei 
der Hand, so steckt man nur einen Pfeil durch den Chignon und 
nennt es St. Ursula. Hält es eine alte Schwarte im Arm und 
kann lesen, so malt man noch einige Felsen herum, das ist dann 
eine rührende büssende Magdalena. Will 'man unter seinem  
Kremser Weiss etwas aufräumen, so legt man das mit Leinwand 
        

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