Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381203
ÜBER 
MODERNE 
KUNSTKRITIK. 
die Zeichnung "brav." Will man einen Künstler persönlich insul- 
tieren, so nennt man ihn Herr! Nicht viel besser ist es ihn „talent-W 
voll" oder gar "Heissig" zu nennen. Das ist ziemlich dasselbe 
wie im gewöhnlichen Leben ein „guter Kerl", (d. h. mögen mach 
he wol, abers könen kann he nich! Ist der Künstler noch nie in die 
Klauen der Kritik gefallen und durch alle Blätter gehetzt worden, 
dann ist er der „in weitesten Kreisen wohlbekannte." Hat er aber 
irgendwo 
eine 
Staatsprämie 
erwischt 
"dem 
Verdienste 
SO 
und 
soviel Kronen", dann wird er kühn annektiert und Hunser" genannt. 
Die Malerei teilt man ein am schwierigsten nach den darge- 
stellten Gegenständen und spricht von Historien-, Tier-, Porträt-, 
Genremalerei etc. Dies ist nämlich nicht so einfach, wie es 
aussieht. Denn die Maler, von denen doch am Ende die Bilder 
eigentlich herkommen, haben wahrscheinlich nicht daran gedacht 
ihre Kunst auf diese Weise abzuteilen, dies haben mutmasslich 
die Kunstverständigen erfunden zu ihrer Bequemlichkeit und um 
mehr Gegenstände ihres Urteils zu haben. Qualifiziert sich doch 
gerade diese Einteilung sehr zur Anbringung der scharfsinnigsten, 
geistreichsten und imponierendsten Redensarten. Allein die 
Künstler haben sich niemals viel um ihre Klassißzierung ge- 
kümmert, sondern Hottweg gemalt, unbesorgt zu Welcher Gattung 
ihr Bild gehöre. S0 ist es wirklich manchmal recht schwer zu 
entscheiden, wohin dies oder jenes Kunst- oder Machwerk gehöre. 
Ganz stümperhafte Leistungen bekommt man indes in Folge der 
segensreichen Einführung des „bethlehemitischen Kindermordes" 
auf neueren Kunstausstellungen nicht mehr zu Gesicht. 
Der Vorrang in der Malerei gebührt natürlich der Historien- 
malerei. Schon das Wort klingt äusserst vornehm. Von dieser 
muss man stets schwärmen, nach ihr ungeheure Sehnsucht em- 
pünden und ihre Abnahme bedauern. Hat sich aber ein histori- 
sches Bild einmal auf die Ausstellung verirrt, so 
Vlerzückung geraten, mindestens eine Stunde lang 
muss man in 
vor dem Bild
        

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