Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381192
THEORIE. 
aus denselben Zeitperioden, wobei leider die NVarnung "frisch 
angestrichen" zu fehlen pflegt). Auch Haare kann man bemalen, 
doch nennt man dies besser färben und gehört es dann unter 
das Kunstgewerbe, ebenso wie das Bemalen der Felsen zu Re- 
klamezwecken. 
Die Grundlagen der Malerei sind eigentlich Zeichnung und 
Farbe. In früheren Jahrhunderten war auch beides erforderlich, 
im verflossnen Menschenalter blos Zeichnung, in der neuesten 
Neuzeit zur Offenbarung unseres fortgeschrittenen Zeitge- 
schmacks nur noch Farbe, aber gleich kiloweisel  
Wie viel denn fehlt noch und der Tintoretto 
Ist überwundner Standpunkt neben mir, 
Erreicht schon hat ihn dies mein Opus netto 
In Technik, Zeichnung und im Clair obscur! 
Mit Tintoretto ist es nix geworden, 
Für sein Genie die Welt war zu obscur, 
Drum weisst er Decken, Wände jetzt und Pforten 
Und rächt so einen Genius an ihr! 
Ganz zweckentsprechend 
viel von Zeichnung zu reden, 
nämlich so kolossal schwer, 
ist es auch heute noch möglichst 
aber vorsichtig! Das Zeichnen ist 
dass selbst unsere berühmtesten 
Meister, besonders wenn sie der Farbengebung Herr geworden 
sind, wenig oder gar nichts davon verstehen, zumal sie es ja 
nicht mehr nötig haben. Wie zur Bratwurst das Sauerkraut, zu 
neuen Kartoffeln der Häring, so gehört zum Hauptwort Zeichnung 
das Beiwort korrekt. je nachdem nun der Künstler Kredit hat 
oder nicht  ich meine nicht bei seinem Rahmenfabrikanten oder 
Kunsthändler 
spricht 
THELII 
von seiner 
korrekten 
oder 
inkor- 
rekten Zeichnung. 
Hat 
man 
besondere 
Ursache 
dieses 
letztere 
Urteil nicht öffentlich auszusprechen, weil man z. B. das Porträt 
seiner verflossnen Schwiegermutter ihm noch nicht bezahlt hat 
oder weil derselbe einflussreiche Verwandte und Gönnerinnen 
besitzt 
oder 
reizende 
pikante 
Atelierfeste 
giebt , 
SO 
nennt 1'113.11
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.