Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381140
ÜBER 
MODERNE 
KUNSTKRITIK. 
Vor bemalten Marmorskulpturen musste man bis vor 
kurzem Zetermordio schreien. Ausdrücke wie Kunstschändung, 
Vandalismus, Barbarei des iinstersten Mittelalters waren für ein 
solch 
rohes, 
unästhetisches 
Gebaren 
noch 
viel 
zu zahm. 
Durch 
die neuesten Ausgrabungen weiss man indes, dass die Griechen, 
diese leuchtenden Vorbilder aus unserer Gymnasialzeit her, ihre 
Marmorskulpturen bemalt haben, soweit sie wenigstens dekora- 
tive oder architektonische Bedeutung hatten. Seitdem sind solche 
Schreihälse merklich kleinlauter geworden. 
Sollen wir unsere Statuen bemalen, das ist das neueste, was 
man in dem Artikel Kunsthader hat. Ich glaube die Frage kurz 
dahin beantworten zu sollen: Eine Bemalung unbekleideter 
menschlicher Figuren, zumal in Naturgrösse führt stets zum Ge- 
meinen und Anstössigen. Eine Bemalung bekleideter Statuen 
dagegen wird diesen besonders dann sehr zu statten kommen, 
wenn sie mit der umgebenden Architektur in nähere Beziehung 
gesetzt werden sollen. In denjenigen Kunstepochen, in welchen 
eine allgemeine Freude an der Farbe im Volke vorherrscht, wie 
im romanischen und gotischen Stil, waren dem zufolge die Skulp- 
turen, wie die umgebenden Wände und Decken fast ausnahmslos 
polychromiert. Zeiten aber die wie der Rokoko und seine Nach- 
läufer möglichst alle Ornamente vergoldeten, sonst aber nur die 
weisse Farbe als berechtigt anerkannten, liessen alle Skulpturen 
in ihrer Naturfarbe i. e. in der des Gipses oder Marmors. Dass 
die kleinen Skulpturen des Kunsthandwerks auch im Altertum 
meist bemalt waren, beweisen unter andern Funden die Thon- 
iiguren aus Tanagra. 
H olzs chnit z e re i e n aus d. XVI. Jhrh. kann man ohne Gefahr 
rühmend 
stets 
anerkennen, 
man nicht unterlassen 
wobei 
darf auf 
Einfluss 
Dürerschen 
und 
hinzuweisen 
die 
der 
Volkstümlichkeit 
damaligen 
Es macht 
Kunst im Gegensatz zur heutigen hervorzuheben. 
sich aber doch besser den Dürerschen Einfluss auf
        

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