Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstästhetische Sünden
Person:
Waterloo, Dirk van
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380793
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381087
ÜBER 
MODERNE 
KUNSTKRITIK. 
Sekunde 
kann 
man 
sich 
omnia 
blamieren 
szecula swculorum 
Eine praktische, leicht fassliche, dabei kurze Anleitung, wie wir 
das uns in Museen, Ausstellungen u. s. W. so reichlich dargebotene 
Kunstmaterial auch wirklich geniessen, wie wir in den Ruf kommen 
können, alles auch richtig verstanden zu haben, fehlt noch immer. 
Was nützt es uns, wenn wir vor ein elektrisch erleuchtetes Meister- 
werk ersten Ranges gestellt werden 
wie wir die bemalte Leinwandfläche 
und keine 
beurteilen 
Ahnung haben, 
sollen. Nur im 
ge ä u ss e r t en Kunsturteil liegt der wahre Genuss, nur durch eine 
Kunstreßexion kann man beweisen, dass man etwas von der Sache 
versteht. 
Wie 
oft 
kommt 
V01. v 
dass 
der 
verständnisbaaren 
Menge 
Bild 
ein 
oben 
einer dustern Ecke einer Gallerie recht 
wohl gefällt. Ja aber es laut zu loben ist doch zu gefährlich, man 
würde höchst wahrscheinlich der hochwohlweisen, unfehlbaren 
Hängekommission einigermassen in die Haare geraten. Denn 
wenn das Bild vom höhern, kunstästhetischen Standpunkt aus gut 
wäre, würde sie sicher geruht haben es in ein besseres Licht 
zu bringen. Oder dort staunen wir ein Riesenbild von Muncacsy 
an, das mit der altehrwürdigen Tradition, mit den lieb und 
teuern Erzählungen unserer guten Mutter, denen wir als Kinder 
andächtig zulauschten, in grellem Widerspruch steht. Auch das 
angebliche Telegramm, das Muncacsy an seine Frau bei seiner 
Erhebung in den Ritterstand absendete, vermag uns für ihn, den 
Löwen des Tages, nicht zu erwärmen. Es lautet: 
Muncacs den 2oten. Madame Muncacsy de Muncacs. Paris. 
Hötel Muncacsy. Rue de Muncacsy. Soeben in Muncacs zum 
Ritter Muncacsy de Muncacs ernannt. Ewig Dein Ritter Mun- 
cacsy de Muncacs. 
Wir 
müssten 
das 
Bild 
loben, 
das 
Wollen 
wir 
nicht. 
Wir 
möchten es tadeln und wagen es nicht. S0 geraten wir aus einer 
Charybdis in die andere, so wird unsere harmlose Freude an der 
Kunst uns gründlich verleidet.
        

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