Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380534
verbindet. Nach diesem Vorgange besteht also der Mörtel  
und somit jeder alte, sich als dauerhaft, wetterfest erwiesene 
Mörtel aus Kalkhydrat, kohlensaurem Kalk und Kieselerde (Sand). 
 Nun kommt es darauf an, den sich im Mörtel vollziehenden 
Prozess naturgemässer Weise bei seiner Entwickelung zu leiten. 
Es genügt nicht, den Prozess vor direkten Störungen zu bewahren; 
es ist vielmehr erforderlich, dahin zu wirken, dass die vorer- 
wähnte Entwickelung der im Mörtel sich vollziehenden Umge- 
staltungen in einer Weise fortschreitet, dass die Umbildung von 
unten herauf, von innen nach aussen gleichmässig und vollständig 
erfolgt.  Dass unsere Altvorderen diesen Weg gekannt, beweist 
der Augenschein. Es sind deshalb die auf uns gekommenen 
diesbezüglichen Anweisungen zunächst zu untersuchen.  Fassen 
wir das Ergebniss der Untersuchungen zusammen, dann begegnen 
wir nicht etwa bislang verborgen gebliebenen Geheimnissen, son- 
dern finden, dass es vor Allem auf die sorgfältige Wahl der zu ver- 
wendenden Rohstoffe, dann auf die Bereitung, und im weiteren 
die Art der Verwendung der mit Bedacht und Fleiss geschaffenen 
Materialien ü) ankommt! Sich der Sorgfalt in früheren Zeiten bei 
künstlerisch  wie technisch  weit vorgeschrittenen Völkern 
recht bewusst zu werden, gebe ich die unten folgenden Anmer- 
kungen. Sie beweisen indirekt, dass nicht allein die Zeit es 
 Dr. Fr. Kaulen berichtet in seinem YVerke: Assyrien und Baby- 
lonien, HerderÄsche Verlagshandlung 1891, Fol. 42 und weiter: "Seit 
beiläufig drei Jahrtausenden lagen in der assyrischen Ebene unter dem 
weithingestreckten Hügel Khorsabad verborgen, die von P. E. Botta und Viet. 
Place entdeckten und sorgfältig untersuchten Ruinen der Stadt und des 
Palastes Sargons. Der Palast bedeckte eine Bodenlläche von 96 466 qm, 
ungefähr 10 ha. In dieser Ausdehnung erhebt sich eine 14 m hohe 
kubische Masse, die vom reinsten durchgekneteten Thon gebildet ist. 
Kein Steinchen, kein Sandkörnchen ist in derselben zu finden, und 
man kann sich des Staunens nicht erwehren, 0b der Menge so {org- 
faltig bearbeiteten Materials. Das Erstaunen, sagt der Berichterstatter, 
Wächst bei der Wahrnehmung, dass die ganze Masse von 1350 524 kbm 
oder 40515 720 Kubikfuss nicht etwa aufgeschiittet, sondern aus sorgfältig 
geformten Thonplatten von 4OX39 cm Bdäche und 5 cm Dicke aufge- 
baut ist.  Mit der gleichen hierzu erforderlichen Sorgfalt sind in dem 
Thonaufbau, der allein schon für uns ein Räthsel ist, von vornherein 
alle Kanäle und Abzugsröhren angebracht worden, welche durch das 
Wohnen auf demselben nothwendig Wurden. Die die Aussenseite 
schützende Futtermauer aus scharf behauenen Kalksteinquadern zeugt 
von einer Technik in der Konstruktion, welche ausserordentlich grosse, 
nur in langer Zeit zu gewinnende Erfahrung voraussetzt.  Mit der 
gleichen Sorgfalt waren die Ziegel bereitet, die, roth gebrannt, an Fein-
        

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