Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380529
nahme und völlige Ausnutzung seiner Eigenschaften erleichtert 
weiterhin die Malweise und gibt dem Gemalten grössere Dauer. 
Aetzkalk oder gebrannter Kalki") (calciumoxyd) hat zwei starke 
Leidenschaften, nämlich zum Wasser und zur Kohlensäure. Es 
binden drei Pfund Kalk ein Pfund Wasser und geben alsdann 
ein staubiges Pulver von Kalkhyrlratw) oder gelöschtem Kalk. 
Mit Wasser angerührt wird daraus Kalkbrei, mit mehr Wasser 
Kalkmilch, mit der sechshundcrtfachen Wassermenge versetzt 
eine wirkliche klare Auflösung, Kalkwasser.  Seine grosse 
Affinitätftöi) seine Neigung zur Verbindung mit dem Wasser er- 
hellt schon aus dem Umstand, dass er gewöhnlichen Weingeist 
zu wasserfreiem, absolutem machen kann. Seine Affinität zur 
Kohlensäure ist nicht minder gross, welche sich leicht an den 
verschiedensten, dem gewöhnlichen Leben zu entnehmenden Bei- 
spielen nachweisen lässt. Eben diese Eigenschaften aber sind 
es, welche dem Kalke eine so grosse Bedeutung geben.  Es 
ist nun wichtig, sich über den im Mörtel, dem sogenannten 
Luftmörtel vollziehenden chemischen Process klar zu werden. 
 Im Mörtel, diesem Gemenge von Kalkbrei (Kalkhydrat) und 
Sand, verdunstet zunächst das Wasser, der Kalk zieht Kohlen- 
säure aus der Luft an, die demselben früher durch das Brennen 
entzogen worden ist, und es bildet sich ein Gemisch von Kalk- 
hydrat und kohlensaurem Kalk; dieses Gemisch, die Verbindung 
von Kalkhydrat mit kohlensaurem Kalk, besitzt eine grössere 
Festigkeit, als die genannten Körper für sich allein haben. Es 
vollzieht sich aber zwischen den genannten Bestandtheilen des 
Mörtels, dem Kalkhydrat in Verbindung mit dem kohlensaurcn 
Kalke und dem Sande noch eine weitere chemische Verbindung, 
indem die aus dem Quarzsande, dem zum Mörtel benutzten 
Sande frei werdende KieselsäureT) sich mit dem Kalke fest 
i) Stöekhardt, Dr. Jul. Adolph; die Schule der Chemie. (Braun- 
schweig, Fr. Vieweg (Kt Sohn 1860-) 
b") Dieses chemisch gebundene Wasser, Hydratwasser genannt, 
geht eine so innige feste Verbindung ein, dass dasselbe erst in der 
Glühhitzo verloren geht. Anorg-Chemie, D1". E. F. von Gorup-Besailetz. 
(Braunschweig, Fr. Vieweg Sr Sohn 1862.) 
WM) Afünität : chemische Verwandtschaft. 
T) Dr. H. Zick: "Ueber Kalk und Luftmörtel". Chemisch-tech- 
nische Bibliothelq Band LI. Wien, Hartleben 1879  glaubt die 
Verbindung des Kalkes mit der Kieselsäure nur in besonderen Fällen, 
unter ganz bestimmten Bedingungen zugeben zu können. Wesentlich ist 
dieser Einwand wohl nicht, doch glaubte ich der Vollständigkeit halber 
darauf verweisen zu sollen.
        

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