Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380684
folge von rothen und gelben Farben hin, deren Färbung durch 
Eisenoxyd und Eisenoxydhydrat bewirkt auch in dieser Mal- 
technik die weitestgehende Verwendung sichern. Unter diesen sind 
neben den gelben Oekerfarben, Fleischocker, Terra di Pozzuoli, 
Kaiserroth, Venetianischroth, Neapelroth, Engelroth, Englischroth, 
Indischroth, Persischroth, Morellensalz, Caput mortuum zu nennen, 
deren Töne vom hellen Rothbraun bis zum tiefen Violett 
reichen.  Da die Keimlschen Farben für die Mineralmalerei 
mit Rücksicht auf ihre grössere oder geringere Aufnahme oder 
Bindefähigkeit von dem Erfinder auf einen gewissen Sättigungs- 
grad gebracht werden, so wird denselben darlurch gleichzeitig 
eine übereinstimmende Härte gegeben. Auf ein Stück Umbra 
gestrichen, sollen sie nach dem Auftrocknen die Härte der 
natürlichen Kreide zeigen, was schon für die Behandlung beim 
Malen von nicht zu unterschätzendem XVerthe ist.  Bei der 
Ausführung des Bildes kann man kaum fehl gehen, wenn man 
sich vom Beginn bis zum Schluss der Arbeit, des der Mineral- 
Malerei zu Grunde liegenden Princips bewusst bleibt.  Tief 
in den Untergrund sollen die Farben eingeführt, gewissermassen 
eingeschlämmt, eingeschwemmt werden; das bedingt zunächst 
eine ausserordentliche Feinheit der Farbkörper, weshalb dieselben 
auf das Feinste verrieben sein müssen. Dann ist die zu'be- 
malende Fläche stets genügend feucht zu erhalten; die Staub- 
spritze zum Netzen der Malstelle wie der nächsten Umgebung 
darf nicht vergessen werden. Dies zu thun empfiehlt sich aber 
auch schon um der besseren Uebersicht willen, da sich die 
Farben im trockenen und im nassen Ztistande ganz den Leim- 
farben ähnlich verhalten. Aus diesem Grunde ist vor Beendigung 
der Arbeit das Bild nochmals im Ganzen anzufeuchten um eine 
totale Uebersicht zugewinnen, wobei Retouchen nach Belieben 
ausgeführt werden können.  Ist das Bild nun vollendet und 
gut ausgetrocknet, dann wird dasselbe fixirt. Diese Schluss- 
operation darf nicht übereilt werden, denn das Gemälde soll 
bis auf den Stein ausgetrocknet sein, indem die Fixirungs- 
flüssigkeit noch in diesen eindringen muss, um Malgrtinrl, Untergrund 
und Stein zu einer steinartigen Masse zu verbinden.  Das 
Fixiren erfordert einige Uebung und Ueberlegung. Man führt 
diese Arbeit mittelst der von Schlotthauer erfundenen und von 
v. Pettenkofer verbesserten, mit einem Kochapparat versehenen 
Staubspritze aus, denn die Fixirungsflüssigkeit wird heiss auf- 
getragen und muss dieselbe im Wasserbade gleichmässig erwärmt
        

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