Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380648
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Die Wand ist zunächst bis auf den Stein bloszulegen und 
die Fugen sind tief auszukratzen. Der zum Mörtel zu ver- 
wendende Sand muss scharf sein; derselbe ist tüchtig zu 
schlemmen, zu trocknen und darauf zu sieben. Bei senkrechten 
Wänden empfiehlt es sich, der Malfläche ein feineres Korn zu 
geben, da sich sonst zuviel Staub ansetzen kann, deshalb ist 
hierfür die feinere Sorte Quarzsand zu benutzen. Anders ver- 
hält es sich schon bei Kuppeln oder Gewölben, wo man 
(wenn's beliebt), auch schon ein rauheres Korn verwenden kann. 
Der Mörtel selbst soll nach Keim möglichst mager, sandhaltig 
sein. Je poröser derselbe ist, was durch des Erfinders Vor- 
schrift erreicht wird, um so absorptionsfähiger wird er sein, 
und entspricht somit dem beabsichtigten Zwecke am meisten. 
Noch magerer als den schon mager gehaltenen Mörtel für den 
Untergrund wünscht Keim den eigentlichen Malgrund gehalten 
zu sehen. Für diesen schreibt er ein Masstheil Kalk auf 
5-6 Theile Sand vor. Zum Waschen des Sandes wie auch 
zur Mörtelbereitung ist allein Fluss- oder Begenwasser zu ver- 
wenden. Entgegen den Vorschriften für die Fresco-Malerei 
empfiehlt Keim einen im Ganzen dünnen Bewurf. Für den 
Untergrund soll man den ersten Anwurf nicht stärker nehmen, 
als zur Beseitigung der Unebenheiten der Wand erforderlich ist. 
Die Malputzschichte soll auf den gut angefeuchteten Unter- 
grund höchstens 2-3 Millimeter angetragen werden. Hier 
heisst es, wie Keim sagt: „Je dünner, je besser"!  Der 
Mörtel ist also ein äusserst schwach gebundener, an sich 
wenig widerstandsfähig; erst durch die bis zu voller Sättigung 
gesteigerten Tränkungen mit Wasserglas soll er zur Unverwiist- 
lichkeit gehoben, gewissermassen versteinert werden. Bild, Be- 
wurf und Mauer sollen nachher eine homogene Masse bilden. 
Mit Rücksicht auf dieses Ziel ist die Anlage erklärlich; und 
liegt der Schwerpunkt in dieser Technik, der Technik der 
Mineral-Malerei, zunächst in der Aufsauge, der Absorptions- 
fähigkeit des Mörtels.  Istder erste Bewurf nun getrocknet, 
was bei einer Stärke dieses von 1-11I2 Centimeter  normale 
Witterung vorausgesetzt  in sechs Wochen erfolgt sein (lürfte, 
dann wird der an der Oberfläche ausgeschiedene kohlensaure 
Kalk, dessen Kristalle, die Poren des Mörtels verschliessend, 
das Eindringen des Wasserglases hindern würden, mit einem 
rauben Sandsteine abgerieben und der entstandene Staub ent- 
fernt. Hierauf wird der Verputz mit Kaliwasserglas, welches
        

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