Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380613
werfe die Wände möglichst rauhft) nachher aber bringe man 
über dem trockenen Rauhanwurf den feinsandigen Verputz so 
an, dass die Richtung genau eingehalten wird, nach der Länge 
dem Riohtscheit und der Schnur, nach der Höhe dem Senkblei 
und in den Ecken dem Winkelmasse entsprechend. So aber 
wird die Oberfläche des Verputzes für Gemälde tadellos 
werden."  Der Verputz ist aber für Gemälde dann deshalb 
tadellos, weil er aus gleichmässig dick angetragenen Schichten 
besteht, wodurch es allein möglich wird, einen Malgrund von 
gleicher Beschaffenheit zu erhalten. Mangelt hingegen den 
Schichten die gleichmässige Stärke, hat man erst mit der Schluss- 
schichte, der Malfläche, die Wand gerade gemacht, hier flache 
Einsenkungen ausgefüllt, dort Erhöhungen des Untergrundes 
kaum gedeckt, dann muss das Auftrocknen auch unregelmässig 
erfolgen, was bei der Arbeit, wie schon in meiner ersten An- 
Weisung zur Fresco-Malerei bemerkt ist, unangenehm empfunden 
wird. Dahingegen sichert ein gleichmässig aufgetragener Grund 
die nur denkbar angenehmste Behandlungsweise und zeigt nach 
dem Auftrocknen die grösste Vollendung; wo dies aber eintritt, 
da ist auch die Dauer gewährleistet. 
Mit Vorstehendem (liirfte die Fresco-Technik hinreichend 
erörtert sein. Ausser derselben ist es nur noch die sogenannte 
"lllineral-Malerei", welche die ausschliessliche Benutzung anor- 
ganischer Stoffe (wie dies schon der Name besagt), fordert. 
Bei dieser Malweise kommt als wesentlichster Faktor das 
Wasserglastt) zur Verwendung. A. Keim in München hat die 
von Professor Schlotthauer in Gemeinschaft mit dem Oberberg- 
rath Joh. Nep. v. Fuchs in den dreissiger Jahren dieses Jahr- 
hunderts erfundene Stereochromie weiter ausgebildet und ver- 
vollkommnet. Da der Erfinder des heutigen Verfahrens in einer 
zu Wien im Hartlebemschentiw) Verlage erschienenen technisch- 
m) Das soll offenbar geschehen, um möglichst viele Haftpunkte 
zu einer zunächst rein mechanischen Verbindung zu gewinnen, doch mag 
man sich vorsehen, keine über diesen Zweck hinausgehende Erhöhungen 
und Vertiefungen zu schaffen, später hier dick, dort wieder dünn an- 
zutragen; auch der Rauhbewurf, so zerklüftet sich seine Oberfläche auch 
darstellen mag, ist doeh nach Möglichkeit in gleiehmässiger Stärke 
herzustellen.  
 silieat  oder kieselsaure Verbindungen. 
3M) Chemisch-technische Bibliothek. Band LXXVIII. Die Mineral- 
Malerei. Neues Verfahren zur Herstellung witterungsbeständiger Wand- 
gemälde. Techniseh-wissenschaftliche Anleitung von A. Keim. Wien, 
P 65h Leipzig, A. Hartlehenk Verlag 1881.
        

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