Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380597
dem Gernalten unverwüstliehe Dauer zu geben. Darüber, dass 
dieses das nächste und Hauptziel war, lässt uns Vitruv nicht 
im Unklaren. In dem diesen Gegenstand behandelnden dritten 
Kapitel seines siebenten Buches denkt er noch nicht einmal 
an Kunstmalereien," sondern lediglich an einen farbigen Schmuck, 
der mit dem letzten Verputz auf die Wand gebracht und zu 
Marmorglanz geglättet werden soll. „Wenn sie", die Farben, 
so schreibt er (B. 7, G. 3, Absch.  sorgfältig auf nassen 
Verputz aufgetragen sind, so werden sie nicht schwinden, 
sondern von immerwährender Dauer seinf")  Die erwähnte 
Vorschrift Vitruv's, den Marmorstuck so zu halten, dass man 
das Eisen rein aus der Mörteltruhefd") ziehen könne, zielt aber 
nicht allein auf die Bearbeitung des Mörtels hin, sie hat 
noch einen weiteren, näher zu betrachtenden Grund; er 
betrifft das Kalkverhältniss.  Vitruv ordnet auf den Rauh- 
anwurf noch drei feinsandige Schichten an; diese stehen in 
dem bekannten Kalkverhältniss (1 Theil Kalk : 2 Theilen gut- 
geschlemmtem scharfem Quarzsandefffä") Die darauf folgenden drei 
Marmorstuckschichten aus grobgestossenem, mittelfeinem und 
noch feiner gestossenem Marmor bestehend, müssen schon aus 
chemischen Gründen oder Ursachen niedriger im Kalke stehen, 
magerer gehalten sein. Wiirden diese Marmorstuckschiohten 
genau das Kalkverhältniss der unteren, der tiefer liegenden 
Sandmörtelschichten haben, dann müsste sich in den oberen 
Schichten der Kristallisationsprozess mit Naturnothwendigkeit zu 
rasch vollziehen. Es würde alsdann nach oben und aussen eine 
Absperrung geschaffen werden, die zunächst zur Folge hätte, 
dass die Umbildung in den Sandschichten unterbrochen würde, 
1') Das Gesagte ist leicht zu bestätigen, und selbst mit dem Hinweis 
"auf imrnerwährende Dauer" ist kaum zuviel gesagt. Es fanden sich 
bei Gelegenheit der Ausgrabung von Fundamenten zwischen St. Llaria 
_Maggiore und San Giovanni in Laterano  näher erstgenannter Kirche  
verschiedene etwa zwei- bis (lreifiugermlicke Mörtelstiicke antiken Ursprungs. 
Diese wiesen noch jenen marmorglatten, theils mit einfachen Liniamenten 
versehenen farbigen Verputz von tadelloser Schönheit, denen durch Ueber- 
reiben mit einem weichen Tuche selbst der Glanz zurückzugeben war. 
H") "Soll der lllarmormörtel sich bewähren", sagt Plinius B. XXXVI, 
C. 55, „s0 muss er so lange bearbeitet werden, bis er sich nicht mehr 
an die Kelle hängt    f" (Siehe dazu Seite 1G Zeile 9.) 
a") Vitruv empfiehlt B. II. C. 5, drei Theile Sand, worauf ich nur 
wiederholt aufmerksam machen will, was aus dem Texte unzweifelhaft- 
llßfvßrgeht, dass er bei dieser Angabe (l :3) jedenfalls an frisch gelöschten 
Kalk gedacht hat. 
        

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