Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380571
Annahme, dass jene Schichte mit grobzerstossenem Marmor 
unzweifelhaft dazu bestimmt ist, die Feuchtigkeit je nach Erforder- 
niss anzunehmen und abzugeben, so dass sie gewissermassen 
zum Regulator des- sich unterhalb wie oberhalb vollziehenden 
Prozesses wird, findet in einem durchaus zutreffenden, wenn 
auch etwas fern liegenden Vorgange in der Natur seine Be- 
stätigung. Vielfache Beobachtungen zeigen, dass Aecker, ob 
leichteren oder schwereren Bodens, die mit Kieseln durchsetzt 
und reich überstreut waren, in regenarmen Zeiten ein viel 
günstigeres Wachsthum zeigten, als Aecker gleicher Boden- 
qualititt, welche dieser Steinsaat ermangelten. Die Steine 
vermitteln und erhalten eben dem Acker die durch Thau 
oder Regen zugeführte Feuchtigkeit!  Die von Vitruv 
gegebene, auf Erfahrung beruhende Anordnung war zweifel- 
los eine althergebrachte und weitverbreitete; denn er beruft 
sich an einer anderen Steller) auf das gleiche auch von 
den Griechen beobachtete Verfahren. Was zu des Vitruv Zeiten 
loekannt war, war den Mönchen vo1n Athos nicht fremd, denn 
die Hermeneia sagt ausdrücklich, wo sie vor dem Anwerfen des 
Bewutrfes das Anfeuchten der Mauern bespricht: „Ist es eine 
Ziegelmauer, so feuchte dieselbe fünf- oder sechsmal an     
ist die Mauer von Stein, so befeuchte sie nur ein- oder 
zweimal und wirf eine dünne Lage Kalk an, denn der Stein 
hält die Feuchtigkeit gut und trocknet nicht".  Gegen 
den .eben ausgesprochenen Zweck dieser Anordnung kann der 
Einwand nicht erhoben werden, dass die Einfügung dieses Ge- 
schiebes bezwekte, den verschiedenen Lagen mehr Halt zu 
geben, das Ganze widerstandsfähiger zu machen. Hätte man 
dies als nöthig erkannt, dann würde man gewiss zuförderst das 
Suxnpfrohr aus dem Rauhbewtlrfe fortgelassen haben. Man 
wusste zur Zeit Vitruv's jedoch ebenfalls aus alter Erfahrung, 
dass dies den Mörtel ebensowenig hinderte, sich zu einer homo- 
genen, eisenfesten Masse zu verbinden und zu gestalten, wie 
das von Pflanzenresten reichst durchsetzte beispielsweise zum 
i) Vitr. B. VII. C. 3, 10. "Die Verputzarbeiter der Griechen ver- 
fuhren nicht bios nach dieser Methode, um ihre Arbeiten dauerhaft zu 
machen, sondern sie lassen überdies in der Biörteltruhe den Mörtel aus 
Kalk und Sand von etwa. zehn Mann mit hölzernen Rammklötzen 
stampfen, und bedienen sich dann des so um die WVette verarbeiteten 
Materials. Plin. XXXVI, .35. (Daher sägen auch einige die Verputz- 
sehichten von alten NVänden ab und verwenden sie als Belegplatten"    
        

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