Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380559
erreichen. Diese zum Zwecke einer allgemeinen gleichmässigen 
Umwandlung nöthige Verlangsamung des Prozesses suchen so- 
wohl Vitruv als auch die Mönche Vom Berge Athos zu erreichen, 
und was diese uns berichten, hatte vor ihnen eine nach vielen 
Jahrhunderten zählende Praxis als richtig festgestellt.  Im 
dritten Kapitel seines siebenten Buches bespricht Vitruv den 
Verputz einer gewölbten Decke; dass eine ähnliche Anlage auch 
bei senkrechten Wänden Gebrauch war, habe ich selbst konsta- 
tiren könnenft) Vitruv verlangt, dass zu gedachtem Zwecke 
zuvörderst Latten aus Cypressenholz mit Klammerhölzernätß) 
(Holznägeln) aus gleich unverweslichem Holze, analog den in 
unseren Bauten bei Anlage von Decken gebräuchlichen Stack- 
hölzern anzubringen seien, und sagt, B. Vll. C. llI. V. 2: 
"NVenn die Latten so angebracht sind, so binde man gequetschtes 
griechisches Schilfrohr mit Bindfaden aus spanischem Pfriemen- 
gras so an dieselben, wie es ihre Form erheischt";       
Oberhalb heisst er die ganze Wölbung gut mit Mörtel aus Sand 
und Kalk abdecken, sie so gegen etwa durchdringende Feuchtig- 
keit aus dem oberen Geschosse oder dem Dachraume zu be- 
wahren. Dann fährt er fort: „Wenn aber griechisches Schilf- 
rohr nicht zu haben ist, so sammle man dünnes Sumpfrohr 
und mache daraus seilartige Bündel von entsprechender Länge 
und gleicher Dicke, sie mit Bindfaden unterbindend, so "dass die 
Umsehnürungen je zwei Fuss von einander entfernt sind, und 
diese werden mit Bindfaden an die oben beschriebenen Latten 
aingebtmrlen und durch hölzerne Pflöckchen in dieselben bc- 
festigt"       Bei Inur flüchtiger Lesung könnte diese 
Anordnung leicht dahin gedeutet werden, dass die beschriebene 
Anlage lediglich den Zweck habe, dem ersten Anwurfe mehr 
Halt zu geben; doch zerfällt diese Annahme sofort, wenn wir 
erfahren, dass sich eingemengtes Sumpfrohr auch im Rauh- 
4') In einer Grabkammer der via. Appia. findet sich der woisse 
Wandstuck genau den Angaben Vitruvs gemäss angefertigt. In der 
untersten Schichte, dem Rziuhanwurfe, war die Verwendung dünnen 
Sumpfrohres nicht allein nachzuweisen, sondern die Structur des binsen- 
artigen Gewächses sogar erkennbar. 
 Die Klammerhölzer müssen aus solchem Holze gearbeitet 
werden, welchem weder Fäulniss, noch Alter, noch Feuchtigkeit schaden 
können, nämlich aus Buchsbaum, Wauhholder, Oelbaum, Steineiche, 
Cypresse und den übrigen ähnlichen, mit Ausschluss der gemeinen Eiche, 
weil diese sieh wirft und an den Bauten, bei welchen sie angewendet 
ist, Risse verursacht. Vitr. VII, lII. l
        

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