Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Technik der Monumentalmalverfahren
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380549
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ist, die dem Mörtel diese bei älteren Bauwerken, jene an Ver- 
steinerung grenzende Festigkeit gegeben hat, dass es vielmehr 
die Folge jener mit Sorgfalt und Fleiss bereiteten MaterialienÜ 
ist, wie auch späterhin noch deutlicher gezeigt werden wird. 
Dieser Hinweis ist um so nöthiger, als man sich vielfach mit 
der Hoffnung täuscht, dass auch unsere Mörtel mit der Zeit 
jene bei antiken Bauwerken bewunderte Festigkeit erlangen 
werden, und dass diese lediglich die Zeit, das Alter giebt. 
Guter Kalk und reiner, scharfer Quarzsandtt) sind zunächst 
erforderlich. Tritt an Stelle des geschlemmten, scharfen Quarz- 
sandes lehmiger glimmeriger Sand, dann wird anstatt einer sich 
mehrenden, sich steigernden Festigkeit unaufhaltsamer Verfall 
eintreten.  Betrachten wir nun die sich im Mörtel vollziehende 
Verwandlung, dann können wir im Hinblicke auf anderwärts 
beobachtete Erscheinungen, auf Vorgänge, die wir selbst bei 
Massenfabrikationen nachweisen können, den Gedanken nicht 
abweisen, dass, je langsamer und gleiohmässiger diese Umwand- 
lung erfolgt, diese eine um so umfangreichere, und die Verbin- 
dungen untereinander um so inniger werden müssen. Es soll 
auch verhütet werden, dass sich Abschlussschichten oder nest- 
artige Einsehliessungen im Bewurfe bilden können und dies 
Alles ist auf Grund der uns überkommenen Anweisungen zu 
heit des Korns und an Dauerhaftigkeit Alles hinter sich lassen, was je 
an künstlichen Steinen gemacht worden ist. Der Stallboden, den Plaee 
mit solchen Platten hatte belegen lassen (4OX4O I 5 und 10), wider- 
stand drei volle Jahre den eisenbesehlagenen Pferdehufen, ohne den 
mindesten Schaden zu nehmen. Alles dieses gewinnt aber erhöhteres 
Interesse, wenn wir erfahren  und dies ist dokumentariseh festgestellt 
 dass. in einem Zeitraum von höchstens fiinf Jahren 6000 qm dieses 
Palastes mit Basreliefs versehen werden konnten. Der Geist der Ein- 
heit, der allen diesen WVerken aufgeprägt ist, beweist, dass die künst- 
leriselkn Hiilfsqnellen ungemein grosse gewesen sind und ein diesen 
räthselhaften Leistungen entsprechendes Geistesleben nicht gefehlt haben 
'kann, eine Annahme, die übrigens auch in den uns erhaltenen Dich- 
tungen die glänzendste Bestätigung findet. Eine weitere Bestätigung 
der auch in viel späteren Zeiten angewandten Sorgfalt finden wir in 
baulicher Hinsieht bei Vitruv (II B. C. 8, V. 10) in betreff der Farben 
bei Cenini Cap. 40. 
i) Bei Plinius heisst es B. XXXVI, C.  "Auch ist der gelöschte 
Kalk um so besser, je älter er ist. In den Vorschriften für alte Bauten 
findet man, dass der Unternehmer keinen friseheren, als dreijährigen 
Kalk gebrauchen dürfe, weshalb auch die Tiinehe derselben nicht dilreh 
Risse entstellt ist."  
M) Vitruv, B. II, C. 4.
        

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