Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378652
erster 
Goethe's 
Aufenthalt 
Rom 
1786- 
1787. 
69 
gelohnt; nach der Abreise der Fremden erkundigen sich 
Hansnrirte oder Diener noch lange nach ihrem Ergeheir 
tragen Grüsse auf oder empfangen solche, und freuen 
sich ausgelassen, wenn ein  noch einmal 
zurückkehrt. Sehr offenkundig wurden bei der Harnl- 
losigkeit der Sitten die Liebesverhältnisse g-etrieben, zu 
denen das Modellwesen den Künstlern ja reichlichen An- 
lass  Der "Schatz" war kein Besitz, den der Künstler 
zu verstecken nötig hatte, oder der sich selber hervor- 
zuleuchten scheute. Von ganz besonderer Originalität 
war das Verhältnis der Künstler zu den Bettlern, dieser 
so charzrkteristischen Statfage Roms Die grosse Anzahl 
(lerselbeirdarf nicht als ein Beweis besonderen Elends 
gelten; denn der Beruf des Bettlers galt im damaligen 
Kirchenstaat, dessen mittelalterliche Grundsätze von 
keiner modernen Nationalökonomie angekrankelt waren, 
für einen gottgefälligen Stand, weil er einerseits auch 
bei glücklichsten Resultaten doch in gewissen Hinsichten 
Bedürfnislosigkeit erfordert und andererseits den übrigen 
frommen Christen Gelegenheit zum Wohltun bietet. So 
waren die Bettler geradezu privilegirt und freuten sich 
an fest bestimmten Platzen der körperlichen (lebrechen, 
welche sie der lästigen" Arbeit überhoben. Sie kannten 
durch langes Studium die persönlichen Verhältnisse der 
meisten Vorübergehenden und pflegten sie daran zu 
erinnern, dass sie durch ein kleines Almosen die Feg- 
ienerqualen eines kürzlich verstorbenen Verwandten oder 
lheiiiitles abkürzen könnten. Als besonderer Güustling' 
der Deutschen wird uns ein alter Bettler genannt, der 
immer an der 'l'hür des Cafe Greco sass und auf den 
Namen Bajocco hörte; er glich einer ungestalten Fleisch- 
masse, aber er war stets guter Laune, recht wohlhabend 
und erreichte ein Alter von mehr als achtzig Jahren; 
er pflegte in der letzten Zeit sich den Künstlern damit 
zu empfehlen, dass er sagte, er sei zwar nicht so schön" 
wie eine antike Statue, aber ebenso alt. Er war eine so 
allgemein bekannte, typische Figur, dass er sogar von 
einem Witzbold als iingirter Verfasser eines grausamen
        

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