Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378608
64 
Vierter 
Abschnitt. 
sehen, und Jeder sucht dem andern seine Empfindungen 
mitzuteilen    Es ist ein ordentliches Fest, wenn eine 
Gesellschaft sich verabredet hat, einen Vormittag anzu- 
wenden, nm irgend eine Sammlung von Kunstwerken ge- 
meinschaftlich zu sehen.   Des Sonntags werden vor- 
züglich solche lehrreiche Wanderungen angestellt. woran 
dann auch Künstler Teil nehmen, welche sonst die ganze 
Woche mit Arbeiten beschäftigt sind, und denen diese nun 
eine ebenso angenehme als nützliche Erholung sind." 
Das hauptsachlichste Ziel solcher Wanderungen war 
stets das Vatikanische Museum, obgleich es wie wir 
Wissen damals erst in der Entstehung begriffen war. Die 
berühmten Werke des „Belvedere" waren ja schon seit 
langer Zeit dort vereinigt, und diese  der Laokoon, 
der Apoll, der Antinous (Hermes) und der Herkulestorso 
galten schlechthin als die vorzüglichsten Werke der 
Welt. Noch lag Athen mit seiner Akropolis in (lammernder 
Ferne; wenn die Kunst sich nach der Antike hinivenden 
sollte, so glaubte sie in den Werken des Belvedere deren 
Wesen aufls stärkste konzentrirt, auf's höchste sublimirt 
zu iinden; eine Kritik wagte sich an sie kaum heran. 
Sind doch auch Winckelmanifs Beschreibungen des Apoll 
und des Torso a begeisterte Hymnen, nicht wissen: 
schaftlich kritische Beurteilungen! An diesen Werken 
studirte der junge Künstler, Bildhauer wie Maler; hier- 
her richtete er seine Schritte, wenn er nach Rom kam, 
und hierher kehrte er auch in späterer Zeit immer 
wieder zurück. Hierher Wallfahrteten auch die kunst- 
begeisterten Reisenden als nach dem Allerheiligsten der 
ewigen Stadt.  Nächst dem Belvedere waren es die 
Stanzen Rafaels, welche die höchste NViirde des Vatikan 
bedingten. Die Verehrung; und das Studium, welche man 
Rafael widmete, kamen fast denen der Antike gleich. 
Barock und Roccoco waren unter dem Einfluss von 
Winckelmann und Mengs in die tiefste Verachtung ge- 
sunken; für die aufsteigenden Entwicklungsstufen der 
Renaissance fehlte noch das Verständnis; so blieb im 
Wesentlichen die schmale Spitze des höchsten Gipfels,
        

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