Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378536
erster 
Goethe's 
1786- 
Aufenthalt in Rom 
1787. 
57 
Meinung, dass die Ausbildung der eigenen Individualität 
nur den aussergewöhnlich begabten Künstlern zukäme 
Während es den andern obliege, sich gesetzmässig zu 
fügen und zu formen. 
Bury erfuhr dabei kein Unrecht; denn seine spätere 
Entwicklung hat gezeigt, dass er wohl im Porträt Tüchtiges 
leisten konnte, dass aber zu selbstständigen mytholo- 
gischen oder historischen Compositionen, nach denen an- 
fangs sein Ehrgeiz sich streckte, die Begabung nicht 
ausreichte. 
Schon zu Anfang seines Aufenthaltes wurde Goethe 
auch mit Johann Heinrich Meyer bekannt. Gleich 
beim ersten Zusammentreffen fiel er ihm durch seine 
kunsthistorischen Kenntnisse auf, indem er ein Bild des 
Venetianers Pordenone verständnisvoll charakterisirte. 
Bald fand Goethe in ihm den Lehrmeister, welchen er 
suchte. Meyer hatte, wie wir schon sahen, das Systema- 
tische, Geordnete in seinem Denken und Tun, was auch 
in Goethe's Wesen eine so wichtige Seite, ein nicht weg- 
zuwerfendes VäÜGFllOIIGS Erbteil bildete. Tischbein war 
zu unruhig und springend, um Goethe auf die Dauer 
(lenüge zu tun, wenn er ihm auch eine erste Einführung 
in die römischen Schätze bieten konnte; mit Meyer aber 
entwickelte sich ein Lebensverhältnis, wenn auch in 
langsamem, allmählich sich entwickelndem Fortschritt. 
Schneller reifte zu persönlichem NVert, aber ohne die Be- 
dingungen dauernden Bestehens das Verhältnis zu 
Angelika Kauffmann. Schon bald war Goethe in 
dem idyllischen Hause auf dlrinita dei Monti bekannt 
geworden und war der stillen und gehaltenen, aber doch 
im Innersten unbefriedigteil Künstlerin der liebste 
Seelenfreund geworden. Er wirkte auf sie wie Frau von 
Stein auf ihn gewirkt hatte: er gab ihr Harmonie und 
Ruhe, er söhnte sie mit ihrem Schicksal aus. Dagegen 
vermochte sie ihm nichts zu geben, als die verständnis- 
volle Empfänglichkeit ihres Gemüts; er rühmt sie als 
"eine treffliche, zarte, kluge, gute Frau," aber er spricht 
von ihr doch immer mit einer gewissen mitleidigen Weich-
        

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