Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378500
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Viel 11er 
Absnhn 
ein guter und schützender Geist für die ehrlichen, aber 
jeder in seiner Art beschrankten. braven Deutschen, die 
sich in Rom ihren Weg durch das Labyrinth der Mensch- 
heitsgeschichte suchten, aber dabei ziemlich blind unr- 
hertappten. Goethe wurde ihnen der Führer, und nichts 
beweist mehr die Universalität, die Vollendete Mensch- 
lichkeit dieses Mannes, als dass er Jedem der Seinigie. 
werden konnte, obgleich er nichts amtieres sein wollte 
als er selbst. 
Zuerst wurde Goethe mit Tischbein bekannt, mit 
dem er schon seit einigen Jahren in Briefwechsel stand. 
Es war in der Locanda auf dem Wege nach St. Peter. 
wo Goethe Tischbeins Kommen erwartete; als dieser 
eintrat, stand er von seinem Sitz am Kamin auf und 
stellte sich mit den einfachen Worten: ,.lch bin Goethe" 
vor. „Ich erkannte im Augenblick den Mann", schrieb 
Tischbein nach vielen Jahrzehnten, "der das W ellenge- 
töse des menschlichen Gemüths in seiner Tiefe kennt." U 
Goethe zog sogleich in die geräumige Woliliung- des in 
Rom langst heimischen llIalei-s, das heute mit einer 
Gedenktafel geschmückte Haus am (Iorso gegenüber 
Palazzo Rondanini, und gewann dadurch sowohl einen 
nützlichen Cicerone als auch eine feste, Behagen schaffende 
Wohnstatte in der unermessliche Anforderungr-n an ihn 
stellenden geistigen Sphäre der ewigen Stadt. 
Das antike Rom war es, das ihn zuerst anzog: 
Gieng doch der gesammte Zug der Zeit sehnsüchtig' 
dorthin zurück, verehrte man doch auch die Renaissance 
eben nur als Wiedergeburt des Altertums! Das Pantheon 
preist er als das grösste Werk aller Zeiten, ,.der inneren 
Grossheit nach", den Apoll von Belvedere als das genialste, 
so genialisch, dass es vunmöglich scheint." Aber 
auch die äussere Grösse der ungeheuren kaiserlichen 
Bauten wirkt mächtig auf ihn, und erhält ihr nicht 
minder erschütterndes Gegenbild in dem Eindruck der 
nicht mehr zu ermessenden Zerstörung; niemals glaubt 
er die Dinge der Welt so richtig geschätzt zu haben 
als hier, wo man ein lllitgenosse der grosseu Rathschlüsse
        

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