Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378385
42 
Dritter 
Abschnitt. 
Neigung, die Personen in die Sphäre der Antike hinüber- 
zuführen, so ist in ihren historischen Compositionen die 
Neigung; zur Antike noch mehr vorherrschend. Die 
Stoffe sind zum grössten Teil dem Altertum entnommen: 
doch ist ihnen freilich jene Süsslichkeit der Auffassung- 
nur allzuoft aufgeprägt. Auch haben diese Bilder nicht 
soviel Beifall gewinnen können als die Porträts; die 
Schwachen der Künstlerin waren in ihnen auch den 
Zeitgenossen sichtbar. Immerhin sind auch von ihnen 
eine grosse Anzahl auf feste Bestellungen aus entfernten 
Ländern gemalt und daher auch in die Ferne gewandert; 
so nach Rilssland auf Antrieb Katharinas der Ziveiten, 
die Angelikajs Kunst ebenso wie die Hackerfs und 
anderer Deutschen hochschatzte. 
Doch mehr denn als Künstlerin hat Angelika als 
Persönlichkeit in Rom Bedeutung gehabt. Ihr Haus auf 
Trinita dei Monti, war eine Stätte edelster Geselligkeit, 
an die nichts Unreines sich heranwagen durfte. In Mitten 
des ausgelassenen Treibens des jungen deutschen Künstler- 
volkes war ein solches, hohe Achtung forderndes und 
geniessendes Haus von grossem Wert. Angelikas Gatte 
hatte an dieser sozialen Stellung wenig Verdienst; er 
war ein ehrenwerter, aber beschränkter, lntuptsächlich 
auf Gelderwerb" bedachter Mann, der das Talent seiner 
Frau als Goldgrube wohl zu schätzen wusste. Eng- mit 
dem Hause verbunden war der uns schon bekannte 
Hofrat Reiffenstein. Der Zuneigung, deren sich Angelika 
überall erfreute, ist noch heute ihr Briefwechsel der 
schönste Zeuge; besonders ihre Briefe an Goethe 9) bekunden 
das zarteste und reinste Freun(lschaftsverhaltnis. Ueber 
die Form muss man dabei freilich hinwegsehen; denn 
Angelika war das Deutsche weniger geläufig als das 
Italienische und Englische. 
Ein ganz anderes Charakterbild gibt uns der meist- 
genannte, deutsche Maler im damaligen Rom. Johann 
Heinrich Wilhelm Tischbein war ein robuster 
Mann von kühlem und ruhigem Egoismus, dem diese 
Eigenschaften unter dem weichen und empfindsamen Ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.