Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378370
der 
des Übergewichts 
Die Zeit 
französischen Schule. 
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ein. Neben eine mehr verstandesmässige Auffassung der 
Antike, wie sie llIengs besass, neben eine trockene und 
nüchterne Kunstübung", die sowohl ihm wie auf anderem 
Gebiet Philipp Hackert eigen war, trat nun die Gefühls- 
innigkeit und Gemütstieie einer schöpferisch begabten 
Frauenseele. Es War dies unstreitig ein Gewinn, aber 
ein solcher, der zugleich auch Schaden stiftete. Denn 
man kann nicht verkennen, dass die von uns schon öfters 
beobachtete Neigung, die antike Kunst in zu sentimen- 
taler Beleuchtung und darum mit einseitigem Urteil zu 
betrachten, durch die Wirksamkeit einer so fruchtbaren 
und erfolgreichen Künstlerin sehr gesteigert wurde. Ein- 
sichtige Personen waren freilich über die Mangel von 
Angelikas Talent und Können nie im Zweifel; aber die 
Masse des Publikums üel ihr zu,  und die trefflichen 
Eigenschaften, die sie als Frau wie als Künstlerin besass, 
hinderten auch die strengeren Richter, ihre Meinung gar 
zu laut zu äussern. 
Aingelika, war 1741 in der Schweiz geboren und 
hatte schon urährend ihres längeren Aufenthalts in Eng- 
land sich hohe Anerkennung verschafft. Eine traurige 
Erfahrung, welche ihr die Ehe mit einem gewissenlosen 
Abenteurer brachte, eine Ehe, die nachträglich für u11- 
giltig erklärt werden musste, diente nur dazu, das all- 
gemeine Mitgefühl für sie um so mehr wach zu rufen, 
und ihre Gestalt um so interessanter zu machen; ihrem 
(Üharakter hatte dieses Erlebnis nicht den mindesten 
Makel aufgedrückt. Als sie endlich 1'782, mit dem 
Venetianei- Zucehi vermählt, nach Rom übersiedelte, war 
Sie auch dort keine Fremde. Schon in früher Jugend 
hatte sie dort geweilt, und es war ihr damals die Ehre 
zu Teil geworden, Winckelmann malen zu dürfen. Jetzt 
nach zwanzig Jahren drängte sich alles ihr zu, um von 
ihr porträtirt zu werden, und sie wurde in diesem Fach 
durch. die Gunst des Augenblickes zu wahrer Berühmt- 
heit emporgehoben. Ihr Selbstporträt in Florenz wird 
für alle Zeiten ein ansprechends und schönes Werk 
bleiben. Zeigte sich schon in den Bildnissen ihre
        

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