Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378346
38 
Dritter 
Abschnitt. 
modern wurden. üihlan ahme den Bernini immerhin 
nach" 3), rät er, „so Weit er nach Anleitung (ler Vernunft, 
die schöne Natur nachgeahmt hat; freilich wird man ihn 
dann nicht, oft nachahmen dürfen." Nachahmung der 
schönen Natur  ist überhaupt das Schlagwort des Autors; 
er Versteht (larunter ähnlich wie Mengs, die Sammlung 
der schönen Einzelheiten, die verstreut in der Natur. 
aus ihr zusammengelesen werden müssen, um ein (ianzes 
zu bilden. Sehr seltsam ist, wie er die von lilengs für 
Malerei und Skulptur aufgestellten (irundsätze nun auf 
die Architektur anzuwenden unternimmt; der Maler und 
Bildhauer haben immerhin ein "HIOÖQÜO naturale" an dem 
Gegenstand, den sie zu verschönern suchen, hauptsäch- 
lich in der menschlichen Gestalt; was aber ist die natür- 
liche (iirundlagra für die Baukunst. die doch nur eine 
menschlichen Bedürfnissen entsprungene Erfindung ist? 
Milizia antwortet: "Die Hütte" (capaniia) 4), der primitivste 
Bau der Urmenschen, den er also wie etwas natürlich 
gegebenes ansieht. Die Verschönerung dieser Vorlage 
geschieht nach den Grundsätzen der Symmetrie,Ilurhyth- 
mie, Convenienz und (lurczh das Ornament; eine gesunde 
ir-inschauung spricht sich darin aus, dass dieses letztere 
nie um seiner selbst willen da sein dürfe, sondern sich 
als etwas Notwendiges ergeben müsse. 
Milizia hat später" noch durch zahlreiche andere 
Schriften sein Interesse für ästhetische und kunst- 
historische Fragen bekundet. Ausser einenl umfassenden 
Werk über Architektur, gab er insbesondere einen 
Traktat: Ueber die Kunst des S ehen s 5) heraus, der schon 
1780 geplant war, aber erst. 1798 erschien. Er war (laher 
für deutsche Leser von Anfang an veraltet, da er sich 
ausdrücklich auf Sulzer und Mengs berief, von der durch 
Kant gegebenen neuen Begründung der Aesthetik keine 
Ahnung; hatte. Aussertlem ging er in der Verachtung; 
Alichelangelds, die durch die unbedingte Verehrung- 
Rafaels bedingt wurde, bis zum (iroteskeirß) 
Doch haben wir hiemit schon in eine spätere Zeit 
vorgegriifen. Wir kehren zu der Epoche unmittelbar
        

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