Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378332
des Übergewichts 
Die Zeit 
französischen Schule. 
der 
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Körpers höchst gefällig und harmonisch. Das Ganze ist 
von einer trefflich gelungenen einheitlichen Composition, 
die einen besonderen Reiz durch die glücklich über- 
Wundene Schwierigkeit gewinnt, dass die Basis der 
einen weiblichen Figur tiefer liegt als die der anderen. 
Vergleicht man mit diesem Werke das spätere Grabmal 
Clemens XIII. in St. Peter, so lässt sich eher ein Rück- 
schritt als eine Entwicklung des Künstlers wahrnehmen. 
Das Werk erregte sogleich grosse Begeisterung, aber 
auch viel Widerspruch bei Personen, die noch am Rococco- 
Wesen hiengen. Hamilton und Volpato waren natürlich 
entzückt; aber Batoni sagte kurzweg, Canova habe wohl 
viel 'l'alent, sei aber auf ganz falschem Wege. Dazu 
kamen J ammerlichkeiten wie die eines gewissen Bergondi, 
der in derselben Kirche einige bernineske Putten zu 
Stande gebracht hatte und es für geschmackvoll hielt, 
sich unter die vor dem Grabmal stehende Menge zu 
mischen und es auf jede Weise herunterzuziehen,  bis 
endlich einer der Umstehenden dazwischen rief: „Das 
ist ja derselbe Bergondi, der hier diese Frösche statt 
Engel gemacht hat!" Von entscheidendem SVert für 
Canova wurde jedoch das Urteil, welches Milizia, der da.- 
mals sehr hoch geschätzte Kunstkritiker, aussprach; er 
schrieb darüber, die drei Statuen schienen nach Haltung. 
Ausdruck und Gewandung aus den schönsten Zeiten 
Griechenlands zu stammen; kein anderes Werk sei noch 
der Antike so nahe gekommen?) Der erste Ausspruch 
war falsch, der zweite richtig: 
Francesco Milizia war ursprünglich Architekt; 
sein Hauptwerk, das 1785 erschien, führt den Titel: 
Memorie degli Architetti Antichi e Moderni; es ver- 
breitet sich aber in der theoretischen Einleitung auch 
über die andern Künste. Der Standpunkt ist in allge- 
mein ästhetischer Hinsicht der von Mengs; als unbe- 
dingte Vorbilder für den Architekten wverden Vitruxi uud 
Palladio verehrt; doch spricht viel Objektivität aus der 
Kritik des Barockstils, und auch über Bernini enthalt 
sich Milizia. der schmahentlen Urteile, wie sie damals
        

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