Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378327
36 
Dritter Abschnitt. 
dort,_nur bis 1789, undwandte sich dann nach seinem Vater- 
land zurück, wo die antikisirende Grandezza seines Stils 
sich sehr geeignet zur Verherrlichung; des Empire erwies; 
mit dem auf die Vendöme-Säule gestellten Napoleon führte 
er diese pomphaft gloriiizirende Kunst auf ihren Gipfel. 
Was aber der französische Bildhauer in Rom da- 
mals leistete, wurde vollständig in den Schatten gestellt 
durch das Aufkommen des jungen Italieners Canovaß) 
Im Venezianischen 1757 geboren, hatte er zuerst in Ve- 
nedigg gearbeitet; 1779 kam er nach Rom und zog bald 
die Aufmerksamkeit des uns schon bekannten Engländers 
Hamilton auf sich. Dieser in der Malerei nach dem 
Mass damaliger Einsicht der Antike nachstrebend, er- 
kannte in dem jungen Canova die Kraft. welche der 
Plastik das Ein fache der antiken Kunst wiedergeben 
kann und begünstigte ihn auf's wirksamste. Als dann 
Uanova 1785 seinen Theseus auf dem lllinotaur ziusstellte, 
war sein Ruhm begründet. Die nächste Folge war, dass 
Volpato, der berühmte Kupferstecher, ihm den Auftrag 
zur Errichtung des Denkmals für (llemens XIV. in S. 
Apostollverschaifte. Ein gewisser Carlo Giorgi hatte 
als Dank für empfangene Wohltaten den Entschluss ge- 
fasst, deni Papste das übliche Grabmal an einer Kirchen- 
wand, dessen er noch immer entbehrte, zu stiften. Die 
praktische Durchführung' des Gedankens vertraute er 
"Volpato an, der nun seinerseits (len jungen Canova, der 
eben damals sein Schwiegersohn wurde, damit beeauftragte. 
Das Denkmal, welches 1781 beendet wurde, zeigt die 
entschiedenen Spuren eines bedeutenden 'l'alents und die 
Herrschaft eines künstlerisch schon durchgebildeten (Geistes. 
Die Gestalt des Papstes in ihrer segnendeen Bewegung' 
ist imposant; das Antlitz charakteristisch, sichtlich durch 
Sorgen und Mühsal gefurcht. Von den beiden Figuren 
zu Seiten des Sarkophaigs ist die sitzende „Sanft1nut'- 
von etwas leerem Ausdruck, die über den Sarkophag 
sich hinlehnende Hlvlassiigung" zeigt etwa-s von der Sen- 
timentalität, die erst Thorwaldsen dem antikisirenden 
Stil genommen hat, ist aber in der Linienführung des.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.