Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378289
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Zweiter Abschnitt. 
Schrotfheit und Unbiegsamkeit, die damals noch als 
die Spezialität dieser alleinigen „Nation"'z), nicht als 
die massgebende Form deutschen Wesens galt, hatte er 
sich doch in Rom fest eingewurzelt und die weitesten 
Beziehungen nach allen Seiten dort angeknüpft. Schon 
1762 war er als gestandener Mann hingekonnnen, und 
hatte sich bald einen eigenartigen Wirkungskreis ge- 
schaffen. Er war anfänglich Führer, später Rathgeber 
vornelnner, besonders fürstlicher Reisender. Noch wich- 
tiger aber wurde seine Tlatigkeit als Vermittler zwischen 
solchen Kunstfreunden und den deutschen Künstlern in 
Rom. Ausser nach "Deutschland reichten seine ldatlen 
besonders auch an den russischen Hof. Als llläcen frei- 
lich wurde er, der später immer mehr zum Pedant 
und Griesgram ward, von den Künstlern nicht gefeiert. 
Goethe's junger Freund Bury fand ihn „nichts weniger 
als erträglich" und schrieb: „Kanu mich nicht glücklich 
genug schätzen, mit dem Alten bisher noch nichts zu 
thun gehabt zu haben, weil es mir unmüglitßh sein 
würde mit ihm auszukounnen." M) Auch wird sich Jemand. 
der fortwährend in so heiklen persönlichen Angelegenheiten 
tätig ist wie Reiilfenstein, schwerlich ganz vor der (f-letahr 
schützen, Parteilichkeit in Begünstigung; und Zurücksetzuirgr 
eintreten zu lassen. Alles in Allem aber war Reiffen- 
steinls Tun doch alles Dankes wert; die ausgebreitete 
deutsche Künstlerschatt in Rom sehuldete ihm zu einem 
Teil ihre Existenz, und vor allem war seine Tätigkeit stets 
von einem aufrichtigen nationalen Gefühl getragen: 
Ruhm und Ansehen der Deutschen im Mittelpunkt des 
Kunstlebeus lag ihm wahrhaft, am Herzen. Auch das 
Denkmal Wincktalmanns beweist dies. [lud diese Be- 
strebungen waren nicht erfolglos. Auch nach dem Tode 
von lllengs behauptete (las deutsche Künstlertum, wenn 
auch keine so glänzende, doch eine würdige Stellung in 
Rom.
        

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