Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378250
Die 
Anfänge 
des 
Pius 
Sechsten. 
29 
In einen entschiedenen Gegensatz zum Geschmack 
seiner Zeit stellte sich indess ein deutscher Maler, der 
in Mengs letztem Lebensjahre in Rom eintraf, der als 
Dichter in Deutschland schon bekannte Friedrich 
Müll er. Dem „Stnrm und Drang", jener wilden Pseudo- 
genizilität, die durch Herdefs entzündende Mahnschriften 
und durch Goethe's Götz von Berlichingen aufgestachelt, 
aber nicht inspirirt worden war, huldigte er als Dichter. 
So wollte er nun auch, als er sich entschloss, haupt- 
sächlich sein malerisches Talent zu piiegen, und deshalb 
nach Rom übersiedelte, nichts von Studium, nichts von 
Schule, auch nichts von Selbstbeschränkung und -Er- 
ziehung; wissen, sondern zuchtlos nur der eigenen Natur 
folgen. Er glaubte das llluster einer solchen Kunstübung 
in Michelangelo zu finden, dessen tiefdringendes 
anatomisches Studium er nicht erkannte. Unter den 
Malern der Gegenwart fand er nur einen, der ähnlich 
grewaltsamen Anschauungen folgte und ebenso für Michel- 
angelo schwärmte: den Schweizer Heinrich Fiissli, 
der indess Rom nach ziveijährigem Aufenthalt schon 
verliess, als Müller dort eintraf. Wenn aber auch Füssli 
und Müller sich als gesinnungsverivandt zusammenstellen 
lassen, so lebte doch in Füssli ein ganz anderer künst- 
lerischer Ernst, der ihn später in England eine kon- 
sequente, förderliche und allgemein anerkannte künst- 
lerische Tätigkeit pflegen liess, während Müller in Rom 
ailhnählich herabkam und bei der immer fortschreitenden 
Entwertung seiner künstlerischen Produktion sich 
anderen Ervaerbszweigen zuwenden musste. Die Schuld 
daran trug freilich zum Teil die Umgebung ;für die 
Eigenart Müllers, die sich, wenn auch nur instinktiv, 
nicht mit Verständnis zu Michelangelo hingezogen fühlte, 
mangelte der Zeit das Interesse und die Sympathie. Das 
Publikum blieb kalt und die Vornehmen Gönner wandten 
sich allmählich ab. Wäre ein Anschluss an den grossen 
Florentiner damals möglich gewesen, so hätte er zu 
allererst doch in der Plastik erfolgen müssen; allein der 
ßäufschurung, den sie damals nimmt und den unter den
        

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