Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378195
Letzte 
Tätigla 
V 01] 
Rafael 
Nlengs. 
23 
hauptsächliche Kraft verwandte er auf das für den 
König von Spanien bestimmte Gemälde der Verkündigung 
und Azara erzählt sehr hübsch, wie er den Meister, der 
nach zweimonatlicihem Sinnen und Prüfen sich endlich 
zur Ausführung; entschlossen. an diesem bedeutungsvollen 
ltiorgtan antraf: er sang und pfiff abwechselnd für sich 
allein eine Melodie; und als Azara sich darüber wunderte, 
versetzte er, es sei dies eine Sonate von Corelli, und er 
wolle das Bild entsprechend dem musikalischen Stil dieses 
Komponisten malenß) 
Während er alle Kräfte daran setzte, fand er noch 
einmal Gelegenheit, auch theoretisch seine Anschauungen 
in voller Klarheit und im letzten Stadium ihrer Reife 
darzulegen. Es geschah das in dem offenen Briefe an 
Don Antonio Ponz, der eine Reisebeschreibung über 
Spanien herauszugeben dachte und dazu Mengs Urteil 
über die königlichen Bilderschatze zu erhalten wünschte. 
Der Künstler schickte nun seiner Beschreibung die re- 
iiektirende Abhandlung voraus, in dem er seinen Stand- 
punkt des Eklektizismus aufs deutlichste und klarste 
vertritt. Er hatte diesen Standpunkt nicht nur  nach 
dem gewöhnlichen Sprachgebrauch  gegenüber den 
Künstlern der Vorzeit, einem Rafael, Correggio, Tizian 
gegenüber; er hatte ihn  und dies ist sein charakte- 
ristischster Zug  auch gegenüber der Natur. „I)ie 
Malerei", schreibt er, „a_hmt alle Erscheinungsformen der 
sichtbaren Natnrgegenstande nach, nicht genau wie sie 
sind, sondern wie sie erscheinen, oder wie sie erscheinen 
könnten oder sollten. Da ihre Absicht ist, in genuss- 
reicher Weise Erkenntnis zu geben, so würde sie jene 
verfehlen, wenn sie die Natur nachahmte, wie sie ist.    
Die Malerei hat immer, und muss immer viel ideales 
haben; das heisst aber nichts anderes als eine Auswahl 
solcher in der Natur vorhandener Einzelheiten, welche 
nach ein und derselben Idee hinstreben, und in einer Art 
zusammengefügt worden sind, dass sie die Einheit des 
Kunstwerks bilden."  Zu einem organischen Begriff des 
Schönen, zu einer systematischen Einsicht in das Ver-
        

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