Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378054
(Ülemens 
Regierungszeit 
Die 
1769- 
Vierzehnten 
des 
Gelegenheit, den berühmten Meister, der in Rom eintraf, 
zur Ausschmückungg des Vatikans herbeizuziehen. Er 
war ein llIann freien und grossen Geistes; nationale 
Vorurteile lagen ihm fern; ihn störte nicht die Erwägung, 
dass der italienische Rivale von Mengs im Vatikan nicht 
vertreten sei, während. dem Ausländer diese Gunst ge- 
wahrt werden sollte. Und auch dem Maler gegenüber 
blieb er von kirchlicher und persönlicher Engherzigkeit 
gleich frei. Er verlangte nicht wie Julius II. und Leo X. 
unter der Maske irgend eines Narnensvetters auf das 
Bild gebracht zu werden, obgleich ja die Wahl zwischen 
dreizehn Clemens-Papsten frei gestanden hätte; er legte 
ebenso wenig dem Maler den Zwang einer kirchlichen 
Allegorie oder Symbolik bei der Stoifwahl auf; war er 
doch selbst kein Scholastiker, sondern ein wahrer Huma- 
nist auf dem Stuhl St. Petri!  Er, der als Bericht- 
erstatter vor dem Tribunal der Römischen Inquisition eine 
Rede gehalten hat, in der er sich iterwahren musste, 
unter den Werken des Aberglaubens nicht die "erhabenen 
Cereinonieent" der Kirche zu verstehen, er der in seiner 
berühmten Rede "über die verschiedenen Nationen" so 
deutlich zeigte, dass er in dem Christentum nur eine 
Entwicklungsstufe des menschlichen Geistes mit ihren 
bestimmten Vorzügen und Mängeln sah!  Es war ein 
Kabinett der vatikanischen Bibliothek, mit dessen 
Ausschmückung llIengs beauftragt wurde; von dem 
speziellen Zweck, dem es dient, führt es heute wie da- 
mals den Namen Stanza dei Papiri. Da hier so uralte 
Zeugnisse menschlicher Kultur aufbewahrt wurden, so 
ergab sich für die Ausmalungg ilnabweislich der Bezug 
auf die Geschichte und ihre Bedeutung. Das Fresko, 
das lllengs demgemass gestaltete, ist trotz seiner nur zum 
Teil allgemeinverstandlichen und lebendigen, zum Teil 
willkürlichen Allegorik unstreitig das Beste unter den 
drei grossen Fresken, die Mengs in Rom vollendet hat. 
Das erste war jene Jugendarbeit, die Himmelsglorie in 
S. Eusebio, wo der Maler zuerst es wagte, von der üblich
        

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