Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378036
Die 
Regierungszeit 
Clemens 
des Vierzehnten 
1769- 
1774. 
dort, der sich von den Ausschreitungen des Barock und 
Rococco bereits frei gemacht und es verstanden hatte, 
mit dem neu erwachten antikisirenden Geist wahres per- 
sönliches Gemütsleben eng verbunden zum Ausdruck 
zu bringen. Seine Statue des heiligen Bruno in Michel 
Angelos Riesenkirche S. Maria degli Angeli ist sowohl 
durch die klassische D111'cl1bildung' der Formen als den 
einfachen und doch tiefinnigen Gefühlsausdruck ein 
meisterhaftes Werk. Der bezeichnende Ausdruck des 
Papstes: „Er würde sprechen, wenn nicht die Ordens- 
reg-el es ihm tierböte", gibt treffend den Eiinlrlick Voller 
persönlicher Lebendigkeit und charakteristischer Zurück- 
haltung; die dem Werke eigen sind Wieder. 
Aber alles was Italiener oder Franzosen aufzuweisen 
hatten, musste für den Augenblick doch zurücktreten, als 
1770 Mengs, den die Zeitgenossen selbst mit Rafael 
verglichen, aus Spanien zu kurzem Aufenthalt in Rom 
eintraf. Für seine Stellung und Geltung waren neben 
dem künstlerischen Ruf auch die Äusserlichkeiten seines 
Lebens nicht ohne Gewicht. Der kümmerlich erzogene, 
schüchterne und eckige Sachse war am exklusivsten und 
gemessensten Hof der Christenheit eine Persönlichkeit 
von glänzendem Ansehen geworden; der Hofmaler des 
spanischen Königs bezog ein nach damaligem Massstabe 
überreichliches Gehalt, und brauchte nicht, wie die 
meisten Künstler in Rom an den Thüren der Cardinäle 
nach Brod zu gehen. 
In sicherer Selbstgewissheit trat Mengs auf; leider 
störte nur seine angegriffene und schwankende Gesund- 
heit den freien Gebrauch seiner Kräfte. In Madrid hatte 
besonders die Fresko-Malerei, die er im königlichen 
Schlosse ausführte, ihn überanstrengt; diese Technik, die 
nach fast völligem Verschwinden durch ihn erst wieder 
belebt worden war, erforderte seine ausserste persönliche 
Hingabe; es fehlte ihm durchaus an verständigen Ge- 
hilfen, mit denen eine zweckmässige Arbeitsteilung durch- 
zuführen war; so hatte er sich thatsächlich in bestän- 
diger Arbeit erschöpft, und endlich von dem ihm wohl-
        

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