Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378000
Erster Abschnitt. 
schien zugleich eine glückliche Begebenheit Förderung- 
und Begünstigung bringen zu müssen. Zu Anfang des 
Jahres 1769 erschien der junge, aber schon aillverehrte 
Kaiser Joseph II. in der Stadt St. Peters. Es war 
ein ganz aussergewöhnliches Ereignis, dass nachdem längst 
die Kaiserkrönung ausser Gebrauch gekommen, ein 
römischer Kaiser in der Stadt erschien, von der er seinen 
Titel führte. Aber nicht so sehr politische (äründe, als 
die blosse lebensfrohe Lust des Reisens, die geistige Auf- 
geschlossenheit für grossartige Eindrücke führten den 
jugendlichen Kaiser nach Rom. Indess war sein i-Xufent- 
halt so kurz, dass die Hoffnungen, Welche man daran 
knüpfte, nicht erfüllt Wurden. Schnell wie er gekommen, 
verschwand der Herrscher wieder; doch hatte ein deutscher 
Künstler, Johann Pichler, der berühmte Steinschneider. 
einen Moment in der französischen Akademie, der Villa 
Medici, zu erhaschen gewusst, um unbemerkt das Prolil 
des Kaisers zu zeichnen und als Vorlage für eine Gemme 
zu gewinnen. Joseph erfuhr davon, liess den Künstler 
kommen, bezeugte ihm seine Gnade.  ihn auch 
auf Wien zu besuchen; allein auf den naheliegenrleir 
Gedanken, für die deutschen Künstler etwas Ähnliches 
zu tun, wie es Ludwig XIV. für die französischen (lurch 
dieAkademie getan hatte, verfiel der Kaiser nicht. 
Wenige Monate später erfolgte in Rom eine ge- 
waltige Umwälzung durch den 'l70d des Papstes. (fle- 
mens XIII., der beschränkte venezianische Patrizier, dessen 
Hauptanliegen die Erhaltung des J esuitenordens gegen 
seine Feinde gewesen war, machte dem klugen, Weltge- 
wandten und dennoch idealgesinnten P a p s t G a n g a n e l l i 
Platz. Von ihm erwartete man in jeder Hinsicht viel. 
für die Kirche, für die Politik, so auch für die Kunst, 
und man täuschte sich nicht. Bekanntlich war es C l einen  
dem Vierzehnten, der den Jesuitenorden aufhob, 
nur fünf Jahre vergönnt den päpstlichen Stuhl einzu- 
nehmen; aber innerhalb dieser Zeit vollbrachte er das 
Wertvollste, was jemals in Rom für Kunstsammlungen 
geschehen ist; er begründete das Vatikanische Statuen-
        

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