Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379839
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Innersten sich entwickelte. „Soll die Kunst selbst", fahrt 
er fort, „nun noch mehr verbessert werden, so muss sie 
von dem XVege der Nachahmung", der sie schwerlich viel 
weiter führen würde. ablassen und tiefer und selbständiger 
werden    Unfehlbar würde sie (ladnrch an dem teils 
(Jberflachlichen. teils Falschen, dessen sie sich, als überall 
nachahmend, gegenwärtig zu oft schuldig macht, befreit, 
in die Tiefe ihrer selbst zuriickgeleitiet. bald gleichsam 
neugeboren, verjüngt, reiner und lebendiger erscheinen 
   Man darf nicht befürchten, dass bei Befolgung dieser 
Grundsätze die Form aufgegeben werden müsse, vielmehr 
wird sie mit dem Kunstwerk sich inniger vereinigen. 
nicht von aussen durch Nachahmung' hinzngebracht, 
sondern von innen heraus entwickelt, erst wird was zur 
Bedeutung notwendig; ist und dann das Schöne sich ein- 
finden; also geschah es    bei den Alten auch. Sie 
ahmten zuerst mit kindlicher Einfalt, ja sogar Unbehülf- 
lichkeit Gestalten nach, das Auge war ihr einziger Führer,- 
dann liengen sie an zu forschen, die Anatomie, die Verhält- 
nisse wurden erspürt, es bildete sich allmählich die Wissen- 
schaft, man unterwarf sich den Sttitf mehr. die Kunst legte die 
Einförmigkeit ab, indem sie Charaktere zu bilden anfieng; 
und wuchs dadurch stufenweise zum Edlen, zum Grossen, 
zum Höchsten empor; das Edle bedung" edle Formen, 
die Schönheit entwickelte sich daraus zillgefällig, wurde 
herrschend. mässigte das Strenge, zierte das Schmucklose 
und verbreitete harmonische Armuth über die ganze 
Kunst, als dieselbe jetzt steigend ihre Vollendung erreicht 
hatte. Wir dürfen darum behaupten, die Kunst wird 
nur auf diesem, kann auf keinem andern Wege sich 
verbessern; vom Charakter kann sie zur Schönheit fort- 
schreitend übergehen." 9") 
Unividerleglich beweist diese Ausführung; dass Goethe 
und seine Gesinnungsgenossen nicht als Ziel ansahen die 
Werke der antiken Kunst nachzuahmen. sondern der 
Schaf f ensweise der antiken Künstler, welche das 
Höchste erreicht hatten, nachzustreberi. lind wer könnte 
leugnen, dass auf diesem Wege eine gesunde und reiche
        

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