Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379807
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I1 USS. 
einen Fortschritt; diese persönliche Wirkung" muss aber 
völlig ausser Berechnung bleiben, wenn es sich (laruin 
handelt, den Wert und die Bedeutung einer allgemeinen 
Zeitrichtung festzustellen. Diese muss hier als eine für die 
Kunst höchst verderbliche bezeichnet werden. Die neue 
romantische Strömung nahm der Kunst das Wertvollste. 
die Freiheit. Sie nahm sie ihr dadurch, dass sie sie prin- 
zipiell unter die Herrschaft des Stoifes, oder was (lasselbe 
heisst, der Tendenz herabzwvangy mochte diese nun mehr 
eine kirchliche oder eine nationale sein. Sie nahm sie 
ihr ferner, indem sie ihr gewisse beengende und be- 
schrankende Formen früherer Zeit aufzwang; aus der Not 
eine Tugend machte, aus einer Vorstufe der Kunst- 
entwicklung ein Ideal. Und das angesichts der hÜUllStGll 
Kunstwerke, die in ihrer grossartigen Freiheit und Sieg- 
haftigkeit. bisher die Welt entzückt hatten. „Baitrba.rei". 
nannte Goethe diesen traurigen Rückschritt. "das Vor- 
treffliche nicht mehr anerkennen zu wollen." 
Und wie steht es mit der scheinbar so gerechten 
Behauptung, dass die Klassik nicht weniger beengt und 
unfrei gewesen sei? Sie beruht auf einer Verwechslung; 
momentaner politischer Einilüsse mit den künstlerischen 
Lebenskraften. Eine grundsätzliche Knechtung' unter den 
Stoff gab es nicht. Niemandem iiel es ein. zum (iiriechen oder 
Römer werden zu wollen. oder sich zur Anbetung' der olymp- 
ischen Götter zu bekehren. Die antiken Vorwürfe, die man 
behandelte, haben im Gegenteil den Vorzug, dass sie jedes 
direkte stotfliche Interesse für den modernen Menschen aus- 
schliessen und ("Ieshalb für die reine künstlerische Behand- 
lung am geeignetsten sind. Und was die Form angeht. 
so hat die antike Kunst in den Zeiten da sie alle Mittel 
voll beherrschte (und nur um diese Zeiten handelte es 
sich für unsere römischen Künstler) keine anderen 
Schranken und Gesetze gekannt, als die sich aus der 
Natur selber, aus dem genauen Studium ihrer anssern 
Flrscheinung wie der zu Grunde liegenden Bedingungen 
ergaben. Der Antike folgen, hiess den Weg einschlagen, 
der zu einer grossen und freien Kunst führen musst-e;
        

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