Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379799
Schluss. 
183 
Elndlich lag auch in dem erweiterten und vertieften 
kunsthistorischen Interesse eine Quelle neuer, die Künstler 
bestimniender Motive. Wir haben es verfolgt, wie die 
eklektische Bewunderung für das (linquecento allmählich 
der alleinigen Verehrung Rafaefs wich, wie aber dann 
die Freude an den aufsteigenden und vorbereitenden 
Kräften sich entwickelte und man die Meister einer noch 
bestrhräinkten, aber strebsameu und aufrichtig; empfinden- 
den Zeit Sßllättlell lernte. So schnell hatte sich diese 
Richtung bis zum Extrem entivickeltt, dass man selbst die 
späteren W erke Rafaefs. seine vollendetsten Schöpfungen, 
ilicht mehr zu würdigen wusste. Es konnte nicht anders 
sein, als dass diese Stimmung und. diese wissenschaftliche 
Tendenz auch auf die Kunstübung" einwirkte. Charak- 
teristisch aber war, dass nicht das eifrige, gewissenhafte 
Streben dieser alten Meister, nicht ihre zwar kindliche, 
aber doch treue Wiedergabe der Natur erziehend und 
spornend auf die jungen Kräfte einwirkte, sondern dass 
vor Allein nur ihre Empiindungsiveise, ihre Innigkeit und 
Zartheit nachgefühlt werden sollte, und dass man in 
dieser Geinütsverfassuug; das wesentliche Erfordernis und 
Kennzeichen des Künstlers erblickte. 
Wenn wir so Erklarungsgriincle für den gi-ossen 
Umsclnvungg reichlich genug ziufiintlen können, so dürfen 
uns diese doch nicht ilarüber täuschen, welch' schlimmes 
Verhängnis damit über die Kunst hereinbrach. Eine 
oberflächliche Betrachtung könnte ja freilich meinen, man 
habe nur eine Einseitigkeit mit einer andern vertauscht, 
ein gesuchtes Griechen- oder Römertum mit einer g5e- 
suchten lllittelalterlichkeit, und eines Ware ebenso unbe- 
friedigend gewesen wie das andere. Die moderne Ab- 
neigung; gegen allen "Klassizismus" hat auch schon das 
Urteil hervorgerufen, das "Nazarenertum" Overbecks und 
seiner Genossen sei ein Fortschritt gegenüber der voraus- 
gegangenen Epoche gewesen. Es ist schwer begreiflich, 
wie eine solche Verirrung ausgesprochen werden konnte. 
Das Aufkommen eines hervorragenden dlalentes wie 
Oornelius bedeutet immer in irgend welcher Hinsicht
        

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