Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379787
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Schluss. 
bewusstvseiu, und nicht zum Minclesten in Deutschland; 
wie leicht übertragen sich nicht solche Enipiimlililgeii auf 
eine illät-igkeit, auch wenn diese an sich mit ihnen nichts 
gemein hat! Uni so mehr als auch in dem künstlerischen 
Betrieb selber eine Aufforderung (lELZll lag. Die Kunst. 
wie sie Winckelmann, wie sie (loelhe allffilSSllß, wollte 
trotz allen Naturstulliums doch eine idealistische sein: 
sie verschnlähte aber jegliche Hilfe, welche dem Idealismus 
von anidern Lebensgebieten aus erwachsen kann; sie liess 
sich nicht von der Religion, nicht von der Ethik. nicht 
vom Patriotismus, nicht vom Wissenschaftlichen Streben 
inspiriren; ihr Idealismus war rein ästhetischer Art, nur 
von der Verehrung des Schönen eingegeben. Eine solche 
Verehrung ist zwar durchaus nicht, wie heute die banale 
lileinungzf behauptet, etwas wesenloses; sie ist von den 
grössten Künstlern, von einem Michel Angelo wie von 
Goethe, mit überzeugelnler Kraft und 'el'iefe ausgesprochen 
wortlen; aber sie ist naturgemass nur sehr wenigen 
Personen zugänglich, nur denen, welche durch ihre Anlage 
zu rein ästhetischem Empfinden bestimmt sind. Die grosse 
Mehrzahl, und auch ganz tüchtige Künstler darunter. 
wird andere Hilfen für ihren Idealismus notwendig haben. 
und besonders tlie Yerbinrlung; von religiösem und von 
künstlerischem Gefühl hat sich von jeher als nahliegeiul 
und scheinbar förderlich erwiesen, obgleich in-Waln-heit 
mit ihr weder der Religion noch der Kunst gedient wird. 
In der klassischen Kunstübung, die wir geschildert, war 
dagegen die Gefahr vorherrschend, dass das idealistische 
Streben, ohne solche Hilfen, überhaupt verloren gieng, und 
leicht wurde sie bei der grossen Masse der Künstler eine 
blasse, eigner Empfindung baare Nachahmung; der Antike: 
kein selbständiges Nachschaffen nach ihren Gesetzen, wie 
es Goethe wollte, sondern ein (Topiren der einzelnen 
Motive überlieferter Werke. Hier lag unstreitig; eine 
(Etefahr der H an dwe rk s m as sig k eit, der junge Kräfte 
jetzt zu entgehen strebten, indem sie von eigner Empündung 
inspirirt sein wollten, die sie aber nur dem religiösen 
oder patriotischen Bewusstsein zu entlehnen vermochten.
        

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