Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379722
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Wlllff 
Abschnitt. 
die Religion zu sprechen und Yerkündig-t, offenbar ohne 
zu bemerken, dass er damit etwas von den tirundbe- 
griffen seiner Lehre Völlig abweichendes ausspricht: "Das 
Ideal (ler Schönheit, (las in der ICrscheinung Ausdruck 
vollendeter Menschheit ist, „konnte nur durch religiöse 
Beg'eisterung' der Einbildungskraft erzeugt werden." Ein 
interessantes Zeugnis (lafür, wie der (Sreist unbewusst 
den ihn umgebenden Einflüssen unterliegt! Hatten doch 
'l'ieck's und Wackenrodens Kunstromane in Deutschland 
die grösste Wirkung geübt, war doch Goethe mit seiner 
Kunstlehre, besonders nach Schillers Tode ein verlassener 
läediger in der Wüste, uns standen überhaupt die {Führer 
der romantischen Schule, Tieck mit den beiden Schlegels, 
als die anerkannten Lehrer des Geschmackes da! Auch 
in Rom hatte der romantische Kreis in diesen Jahren 
eine Clolonie gebildet. August Wilhelm Schlegel 
wrar als Begleiter der "Madame Stael 1805 nach Rom ge- 
kommen; er hatte dort die Schriftstellerin Sophie 
Bernhardi geb. Tieck angetroffen; kurze Zeit hielt 
sich bei ihr auch ihr Bruder Ludwig auf. Auch der 
Bildhauer "Tieck, obgleich noch unter dem Einfluss 
der klassischen Traditionen stehend, wurde durch die 
verwandtschaftlichen Bande in diesen Kreis gezogen; er 
führte damals im Auftrag der lfrau von Stael jenes so 
bekannt gewordene Relief aus, welches sie vor der 
Aschenurne ihres Vaters, desülinisters Necker, knieeud 
zeigt. Der Aufenthalt dieser ronnintisch gestimmten 
Gesellschaft dauerte nur kurze Zeit; aber er blieb nicht 
ohne bedeutsame Nachwirkung: Ein dauerndes litte- 
rarisches Denkmal stiftete er sich in dem offenen "Schreiben 
über einige Arbeiten in Rom lebender Künstler", welches 
Schlegel im Sommer 1805 an (Äloethe erliessf") Es ist 
merkiviirdig, dass der romantische Wortführer gerade an 
den unbeirrbaren Verehrer und Verkünder der Antike 
seine Epistel richtete. Einerseits mochte das Hohn sein, 
wie er aus einigen Stellen des Aufsatzes unverkennbar 
spricht; man kann es nicht anders auffassen, wenn er dem 
Dichter des Werther und Wilhelm Meister, der Iphigenie
        

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